Christoph Wachter, Eisenberg

Nur wenige Jahre, nachdem ihm von Seiten der Fachpresse solcherart Ehrung und Lob zuteil wurden, sagt der heute knapp 30-jährige Christoph Wachter abgeklärte, beinahe altersweise Sätze wie: »Man muss Geduld, und auch ein wenig Demut vor dem Wein haben. Man sollte sich auf das Bauchgefühl verlassen und darf nicht nervös werden, etwa wenn die Spontangärung unregelmäßig abläuft. Man muss dem Wein Vertrauen schenken und ihm Zeit geben, sich zu entwickeln.«

Solche Aussagen sind nicht nur auf Erfahrung gegründet, sondern auch typisch für die behutsame, zurückhaltende, fast defensive Art, mit der der Winzer aus Deutsch Schützen im Südburgenland an das Weinmachen herangeht.

Beerenfrucht & Kräuterwürze

Bei allen (wein)himmelsstürmenden Erfolgen innerhalb nur weniger Jahre ist Wachter angenehm bodenständig, erd- und regionsverbunden geblieben, samt prägnantem südburgenländischen Dialekt. Er hat in den vergangenen Jahren wesentlich dazu beigetragen, das 200 ha kleine Weinbaugebiet Eisenberg fest auf der Weinlandkarte und in den Köpfen der Blaufränkisch-Freunde zu verankern.

Seine puren, ungeschminkt klaren Weine zählen zum Besten, was diese Region hervorbringt. Sie ist geprägt vom pannonisch- illyrischen Klima: heiße Sommer mit kühlen Nächten und ausreichenden Regenfällen aus dem Süden, kalte, windige Winter. Die Weine sind lebendig, ausgestattet mit viel mineralischer Frische und schönem Säurespiel: »Man soll Lust auf ein zweites und drittes Glas bekommen«, so Wachter.

Dazu kommen: dunkle Beerenfrucht, kühle, kräuterig anmutende Würze, feine, reife Tannine, packende Energie, große Eleganz und viel Finesse. Und das alles ohne jegliche Holznote. Ob der Einstiegswein Béla-Jòska, die Einzellagenweine Ratschen und Weinberg, oder die »Blaufränkisch-Kathedrale« Alte Reben Eisenberg: Wachters Weine sind niemals laut, plump, opulent, überladen oder vordergründig. Im Gegenteil: »Das ganze Potenzial erschließt sich nicht unbedingt sofort. Viele feine Geschmacksnuancen entwickeln sich langsam erst im Glas.«


Auf den Weinberg hören

Nach der Rückkehr von Praktika im Ausland, etwa bei Niepoort in Portugal und Craig Hawkins in Südafrika, stieg der damals 20-jährige Christoph 2008 in den Betrieb seiner Eltern ein, die ihrerseits bereits zu den besten Blaufränkisch-Produzenten der Region zählten. Seit 2010 trägt Christoph nun die Hauptverantwortung für den nach den beiden Gründerfamilien Wachter und Wiesler benannten Familienbetrieb.

Inspiriert von seinen Auslandserfahrungen und unterstützt von der Großfamilie entschied der Jungwinzer, die Arbeitsweise auf dem 16 ha großen Weingut (80 % davon Blaufränkisch) radikal und konsequent zu ändern: Verzicht auf Chemie im Weingarten und Keller, Spontanvergärung mit Naturhefen und langsame Reifung in großen Holzfässern (600 bis 2.000 l), weg vom Barrique, so wenig Schwefel wie möglich, keine Schönung und Filtration der Weine. Logische Konsequenz: Auch der Stil der Weine veränderte und verfeinerte sich. Der Boden müsse gesund sein, damit sich die Rebe wohl fühle und in Balance ist, sagt der Winzer. Dann produziert sie von sich aus die richtige Menge an Trauben mit der richtigen Reife, und man brauche gar nicht großartig den Ertrag zu reduzieren.

Das Ziel sei Harmonie im Weinberg. Wachter: »Zu diesem Zweck muss man auf den einzelnen Weinberg hören, jede Riede individuell behandeln und bewirtschaften, dem Boden und dem Rebstock zur richtigen Zeit das Richtige geben – oder eben in Ruhe lassen.» Denn: »Ich möchte gesunde Reben, reife, aber keine überreifen, zu süßen Trauben, keine hohen Alkoholwerte und keine Opulenz im Wein.«

Ab 2018 offiziell »bio«

Die Umstellung auf Bio-Weinbau ist nunmehr abgeschlossen, ab dem Jahrgang 2018 sind die Weine entsprechend zertifiziert. Wachter: „Dank der biologischen Bewirtschaftung kommt der Charakter der jeweiligen Lage bzw. der Unterschied zwischen einzelnen Lagen noch deutlicher im Wein zum Ausdruck.“
So fallen die Weine aus den flacheren Deutsch Schützener Lagen Ratschen und Weinberg aufgrund der schweren, tiefgründigen Lehm- und Tonböden eher erdig und dunkel, wenn man so will „maskuliner“ aus. Die Weine vom Eisenberg mit seinen kargen Böden aus Grünschiefer und Eisen dagegen erscheinen schiefrig, kristalliner, heller, zarter, feingliedriger. „Grünschiefer und Eisen: Ähnliche Böden findet man auch am höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner. Aber dort wird kein Wein gemacht“, sagt Wachter schmunzelnd über den sich mit beachtlicher Steilheit bis 400 m hoch erhebenden Eisenberg.

Ein Tropfen im Rotwein-Ozean

Blaufränkisch ist anspruchsvoll, er will richtig und mit Sorgfalt behandelt werden, um zur Höchstform gelangen zu können. „Aber er kann’s“, sagt Wachter vertrauensvoll, „er hat das Potenzial und unsere Böden geben es her. Es liegt an uns, das Bestmögliche daraus zu machen. Dazu muss man nichts Neues erfinden und schon gar nicht andere Spitzenweine imitieren.“ Und weiter: „Hier in unserer Region ist alles klein strukturiert, die Weingüter sind klein, die Rebfläche am Eisenberg ist klein und lässt sich nicht erweitern. Hier wird’s nie Massenproduktion geben.“

International gesehen ist Blaufränkisch also ein Tropfen im Rotwein-Ozean, ein Nischenwein für Liebhaber, Kenner und Spezialisten, die das Besondere, das Eigenständige – in diesem Fall das Burgenländisch-Pannonische im Rotwein – suchen.

So wie seine Winzerkollegen Georg Prieler und Franz Weninger aus nördlicheren Regionen des Burgenlandes traut auch Wachter dem Blaufränkisch in Bestform eine international erfolgreiche Karriere zu. „Wir müssen die Importeure, Sommeliers und Weintrinker durch die Qualität und Einzigartigkeit unserer Weine überzeugen.“ Er weiß, wovon er spricht: Bereits jetzt gehen rund 50 % seiner Weine in den Export. Christoph Wachter ist nach wie vor „ ... definitely a winemaker to watch.“

Weingut Wachter Wiesler

www.wachter-wiesler.at