Baron Longo

Italien Südtirol

Neu entdeckte Schätze in Südtirol

Das Weingut Baron Longo in Neumarkt macht mit außergewöhnlichen Weinen aus biodynamischem Anbau auf sich aufmerksam. Der junge Winzer Anton Longo verleiht ihnen eine feinfruchtig finessenreiche, zurückhaltend elegante Stilistik.

„Die Kunst besteht darin, das Bewahrenswerte des Alten mit dem Sinnvollen und Notwendigen des Neuen angemessen zu verbinden“ , so Winzer Anton Baron Longo. Binnen weniger Jahre gelang es ihm, auf der Basis einer langen Tradition – „seit 1656“ – das Weingut seiner Familie in Neumarkt völlig neu auszurichten. „Ich glaube, die Menschen suchen nach dauerhaften Werten. Ich will mit meiner Arbeit etwas Neues, gleichzeitig Beständiges schaffen, das man lange weiterführen und weitergeben kann.“

Nachdem er 2012 den landwirtschaftlichen Mischbetrieb von seinem Vater übernommen hatte, verpachtete er den Obstbau und legte den Fokus klar auf Wein. 2015 produzierte er erstmals wieder Weine unter dem Namen der Familie – nach einem beinahe 100-jährigen Intermezzo, während dessen die Trauben der Longo-Weinberge an benachbarte Kellereien verkauft wurden.

Anton stellte von 2017 bis 2020 auf Biodynamik um, steigerte die Produktion von den 4.000 Flaschen seines ersten Jahrgangs 2015 auf zuletzt 80.000. Vor allem aber schaffte es der unprätentiöse, gleichzeitig feinsinnig wirkende, im steinigen Boden der Dolomiten fest verwurzelte Adelige innerhalb nur weniger Jahrgänge, die Stilistik seiner Weine so zu entwickeln und zu verfeinern, wie es manch andere Winzer in Jahrzehnten nicht geschafft haben.

Die Weine ihr eigenes Tempo gehen lassen

Wie der Winzer, so der Wein. Selten trifft dieses Bonmot so präzise zu wie bei Anton Longo. Seine Weine sind eher still, bedächtig und zurückhaltend, niemals opulent oder laut. Sie zeigen Eleganz, Finesse, Feinfruchtigkeit und Ausgewogenheit, bieten aufgrund der kargen, vorwiegend von Kalk geprägten Böden des Weinguts viel Mineralität, und sind moderat im Alkohol.

Und: Sie entwickeln sich erst mit der Zeit. „Man muss die Weine ihr eigenes Tempo gehen lassen“, so der Winzer. Sei es die Spontangärung – Longos Gewürztraminer 2020 blubberte Ende April 2021 noch immer gemächlich vor sich hin – oder das zwölf Monate lange Hefelager in 500 bis 1.200 Liter fassenden Tonneaux aus französischer Eiche, wie beim weißen Flaggschiff des Weinguts, dem „Liebenstein“.

„Zeit geben“ bezieht sich auch auf den Weingenuss: „Der Liebenstein braucht im Glas 10 bis 15 Minuten, bis er da ist. Dann aber richtig“, so Anton Longo.

Terroir & Nobilis

Emilio Foradori aus dem benachbarten Trentino sagt über Longo und seine Weinberge, die zu den besten im Südtiroler Unterland zählen, es seien Schätze, die nur darauf gewartet hätten, von Anton entdeckt und geborgen zu werden.

Diese „Schätze“ liegen auf Höhen von 270 m rund um das postkartenträchtige Villner Schlössl in Neumarkt bis hinauf auf über 1.000 m bei Montan. Sie bieten entsprechend verschiedene Böden: Kalk, Porphyr, Moränenschutt, Flusskiesel.

Das für die Dolomiten typische Klima, eine Symbiose aus alpin kühlen und mediterran heißen Elementen mit entsprechenden Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, trägt viel zur Ausprägung der Traubenaromatik bei.

Der Schwerpunkt des 20 Hektar Reben umfassenden Betriebes liegt auf den Burgundersorten Chardonnay, Pinot Blanc und Pinot Gris. Insgesamt machen weiße Sorten rund zwei Drittel der Weinbaufläche aus. Im roten Sektor dominieren Cabernet Sauvignon, Pinot Noir, Lagrein und Merlot.

Das Weingut ordnet seine Weine in zwei Kollektionen:
Die Linie „Terroir“ umfasst die nach einem Vorfahren Anton Longos benannten drei junge Weine „Felix Anton“: eine weiße und eine rote Cuvée, einen Rosé sowie den „Urgestein“ aus Sauvignon Blanc.

Zur „Nobilis“-Kollektion zählen der Chardonnay „Langenstein“, die Chardonnay-Pinot Blanc-Cuvée „Liebenstein“ und der „Wellenburg“ aus Cabernet Sauvignon und Merlot. Auch diese Weine sind nach Vorfahren des jungen Barons benannt und sind gleichzeitig seine drei Nachnamen.

Einige wichtige Weine des Betriebes sind als „Dolomiti IGT“ deklarierte Cuvées. Anton Longo: „Verschiedene Rebsorten aus verschiedenen Lagen ergeben einen komplexen Wein, der in seiner Gesamtheit die Charakteristik des Weinguts und seiner Herkunft abbilden soll. In unserem Fall sind das die Dolomiten.“ Musterbeispiel für eine in diesem Sinn gelungene Cuvée: Longos weißer junger Wein „Felix Anton“ aus den Burgundersorten Pinot Blanc, Pinot Gris und Chardonnay.

„Entweder biologisch oder gar nicht.“

Der 1985 geborene Anton Longo studierte Agrarwirtschaft und Weinbau in Bozen. Er ist ein Erneuerer und Tüftler, der sich mit Akribie allen Herausforderungen auf dem Weingut stellt, von der handfesten Kompostbereitung bis hin zu den feingeistigen Flaschenetiketten, die Ausschnitte aus den Rokoko-Deckengemälden im historischen Palais Longo bzw. Porträts von Vorfahren des Barons zeigen: eine Hommage an die lange Familientradition.
Er arbeitet mit ausgewiesenen Experten und Beratern zusammen, tauscht sich mit anderen im alpinen Bio-Weinbau erfahrenen Kollegen wie etwa Emilio Foradori aus.

Die Umstellung auf Demeter-zertifizierten, biodynamischen Weinbau war für Longo eine „conditio sine qua non“, eine unabdingbare Notwendigkeit für den Neustart und die weitere Entwicklung des Weinguts: „Ich habe mir gesagt: entweder biologisch oder gar nicht.“
Dazu gehören Spontanvergärung mit natürlichen Hefen, biodynamische Präparate und die Berücksichtigung der Mondphasen ebenso wie selbst bereiteter Kompost, u. a. aus Pferdemist vom Reiterhof der Schwester des Winzers.

Aber: Bei aller Biodynamik zieht Anton Longo eine deutliche Trennlinie zwischen seinen „naturnahen Weinen“ und „Naturweinen“ im Sinne von Orange bzw. Raw Wines. Seine Weine sind linear, glasklar, pur und reintönig wie Harfenklänge.

Weitblick, Mut, Beständigkeit

Anton Longo ist überzeugt, dass die Biodynamik auch das beste Mittel ist, um dem Klimawandel und den sich häufenden Wetterextremen zu begegnen, weil sie die Reben vitaler, kräftiger und wiederstandsfähiger macht. Zu den Neuerungen auf dem Weingut zählt auch die Anlage neuer Rebgärten in großer Höhe. So pflanzte Anton Longo auf dem 1.050 m hoch liegenden Schornhof bei Montan Chardonnay und Pinot Noir: „Der Schornhof ist eine sehr steile, anspruchsvolle Lage, wo nie zuvor Wein kultiviert wurde.“

„Providentia, Fortitudo, Constantia“ – Weitblick, Mut, Beständigkeit: Anton Baron Longo wird dem alten Familienmotto auch in der neuen Zeit gerecht. Auf seine Art.

Felix Anton – weiß

Komponiert aus je einem Drittel der drei Burgunder-Rebsorten: Chardonnay verleiht dem Wein Struktur, Weißburgunder die feine Aromatik und Grauburgunder Mineralität. Weiße Blüten, verhaltene Frucht, am Gaumen lebhaft, fein strukturiert und ausbalanciert. Ganztraubenpressung, spontane Vergärung, teilweise Ausbau im Tonneaux.

Genusszeitraum: 5 Jahre

Urgestein

Sauvignon Blanc von zwei Rebenanlagen auf 270m (3/4) und 1050m (1/4) auf Kalkböden. Noten von Zitrus- und tropischen Früchten, fest strukturiert mit feinem Grip und mineralisch geprägtem Finale. Sanfte Ganztraubenpressung der vollreifen Frucht, Spontangärung, langes Lager auf der Hefe.

Genusszeitraum: 10 Jahre

Liebenstein

Chardonnay und Weißburgunder von 35 Jahre alten Reben. Spontane Gärung in 500 Liter Eichenholzfässern, zwölfmonatiges Hefelager. Vielschichtige Aromatik mit subtilen Gewürz- und Kräuternoten mit rauchigen Anklängen, feste Struktur und gut eingebundene Säure, ausgesprochen mineralisch geprägtes Finale.

Genusszeitraum: 15 Jahre

Felix Anton – rosé

100% Merlot von 35 Jahre alten Rebbergen. Feinwürzige Aromatik unterlegt mit Noten von roten Beerenfrüchten, feine Herbe mit harmonischem Finale. Ganztraubenpressung.

Genusszeitraum: 2 Jahre

Meanberg

Grauburgunder aus Einzellage mit 35 Jahre alten Rebstöcken auf 350m. Spontangärung und zwölfmonatiger Ausbau in 500 Liter Eichenholzfässern mit langem Hefelager und behutsamer »batonnage«.

Genusszeitraum: 10 Jahre

Felix Anton – rot

¾ der autochthonen Rebsorte Lagrein und ¼ Merlot von kalkhaltigen Alluvialböden. Auch hier wird separat vinifiziert. Die selektierten Trauben vergären spontan in offenen Tonneaux. Reifung in französischen Eichenholzfässern, Aromen von Kirschen und Pflaumen.

Genusszeitraum: 10 Jahre

Wellenburg

Cuveé aus 80% Cabernet Sauvignon und 20% Merlot von kalkhaltigen Böden. Noten von roten und schwarzen Johannisbeeren, Zwetschgen und Sauerkirsche. Offene Spontangärung im Tonneaux und Ausbau im Barrique, harmonisch eingebundene Säure und seidiges Tannin.

Genusszeitraum: 15 Jahre

Friedberg

Kräftig strukturierter Rotwein, trotzdem schlanker (12,5%) Lagrein aus der autochthonen Südtiroler Paradesorte, mit markantem und dennoch harmonisch sanftem Tannin. Tiefgründige Aromatik mit Noten von dunklen Waldfrüchten, Gewürzen, Süßholz. Ausbau im Barrique.

Genusszeitraum: 10 Jahre