Sauska
Vom Licht zum Wein
„Pure. Terroir-driven. Hungarian. Tokaj. Villány. Budapest.“ – so lauten die wenigen, aber vielsagenden Begrüßungsworte auf der Website von Sauska. Das vom Leuchtenhersteller Krisztián Sauska gegründete Familienweingut hat sich binnen 20 Jahren vom Newcomer und Quereinsteiger zu einem der führenden Produzenten Ungarns entwickelt, und interpretiert die pannonische Weinbautradition neu, erfrischend und elegant. An den Standorten Tokaj, Villány und Budapest werden hochklassige Weiß-, Rot- und Schaumweine nach der Méthode Traditionnelle erzeugt – auf internationalem Niveau und mit ungarischem Charakter.
Sauska Tokaj – Zwei weiße Schalen als spektakuläre Weingutsarchitektur im Weinberg Padihegy.
Die Erfolgsgeschichte von Sauska ist geradezu klassisch: Ein in jungen Jahren nach Amerika ausgewanderter Ungar macht in der neuen Heimat durch Talent, Fleiß, Arbeit und Willenskraft sein „Glück“, kehrt nach mehr als 30 Jahren in die alte Heimat zurück und baut dort als Quereinsteiger aus dem Nichts ein Weingut mit drei Standorten auf, das heute zu den besten des Landes gehört.
Krisztián Sauska – sprich „Sauschka“ – kommt 1948 in der südungarischen Kleinstadt Somberek zur Welt. Seine wohlhabende Familie wird nach dem Zweiten Weltkrieg vom kommunistischen Regime enteignet. So etwa dient das villenartige Elternhaus zunächst als Heim für Menschen mit Behinderung, heute als Altersheim.
Ende der 1960er-Jahre gelangt Sauska auf abenteuerlichen Wegen über das damalige Jugoslawien nach Italien und von dort in die USA, wo er gleichzeitig studiert und arbeitet. Der seit seiner Kindheit an Zahlen, Mathematik und Technik interessierte Sauska wird Ingenieur. Im Lauf der Zeit baut er das international erfolgreiche Unternehmen LightSources auf, das an mehreren Standorten in den USA, Ungarn und China technische Spezialleuchten produziert – etwa zur Desinfektion von Luft und Wasser.
Krisztián und Andrea Sauska gründeten 2003 als Quereinsteiger das Weingut mit drei Standorten.
Bordeaux & Gaja
Sein vinophile Erweckungserlebnis hat Krisztián Sauska mit einem Bordeaux-Jahrgang 1966 und den Weinen von Angelo Gaja. Mit den Jahren entwickelt er ein Faible für guten Wein und gutes Essen, was sich heute in den Top-Gastronomiebetrieben der Familie in Tokaj und Villány widerspiegelt.
Ab den 1980er-Jahren besucht er häufig seine alte Heimat Ungarn, wo er seiner zukünftigen Frau Andrea begegnet. Im Jahr 2003 erfüllt sich in Tokaj ihr gemeinsamer Traum, Winzer zu werden.
Sauskas Liebe für Zahlen, Logik, akribische Planung, technische Präzision, Innovation und gesteuerte Abläufe kommt ihm beim Aufbau der Betriebe in Tokaj und Villány sowie der Sektkellerei in Budapest zugute. Andrea, ausgebildet als Ökonomin und Tourismusmanagerin, leitet das Kreativ-Team hinter der Marke Sauska.
Die Geschäfte werden heute von Krisztiáns Schwiegersohn Péter Pohl geführt, doch als Master Mind und Spiritus Rector ist der Gründer nach wie vor im Hintergrund präsent, auch wenn er den Winter gerne im warmen Florida verbringt.
Weingutsfamilie Sauska. Schwiegersohn Péter Pohl führt heute als Leiter die drei Sauska-Betriebe.
With a little help from my friends
Eine Koryphäe in Sachen Licht und Leuchten, aber ein Newcomer in Sachen Wein, scheut sich Sauska nicht, beim Aufbau seiner drei Betriebe den Rat von externen Experten zu suchen. So etwa holt er 2003 den kalifornischen Winemaker Paul Hobbs nach Ungarn. Dieser empfiehlt ihm bei einem Besuch in Tokaj etwas für diese Region ebenso Neues wie Untypisches: die Produktion von Schaumweinen. Hobbs zu Sauska: „How exciting it would be to try sparkling wine here!“ Und Sauska versucht es – wie man heute weiß: mit großem Erfolg.
2007 graben die französischen Mikrobiologen Lydia und Claude Bourguignon im Auftrag Sauskas tiefe Löcher in die Tokajer Weinberge. Sie sollen herausfinden, welche Rebsorten auf welchen Böden am besten gedeihen würden und welche Parzellen das größte Potenzial für erstklassige, trockene Weine böten. Und das in einer historischen Süßweinregion!
2010 engagiert Sauska den renommierten italienischen Önologen Stefano Chioccioli, Mastermind einiger toskanischer Spitzenweine und mitverantwortlich für jene von Livio Felluga in Friaul. Chioccioli ist wesentlich beteiligt an der Stilentwicklung der Sauska-Rotweine im südungarischen Villány.
2012 startet die Kooperation mit der französischen Spitzen-Tonnellerie Baron aus Les Gonds bei Cognac. Sie liefert Eichenfässer in hervorragender Qualität an Sauska, die sich als optimal für die Reifung der Rotweine erweisen.
Régis Camus half Sauska, einen typischen Tokaj-Schaumweinstil aus Chardonnay, Pinot Noir und der heimischen Rebsorte Furmint zu entwickeln.
2017 schließlich holt man als Schaumweinberater Régis Camus an Bord, den ehemaligen Chef de Cave der Champagnerhäuser Piper-Heidsieck, Charles Heidsieck und Rare. „Régis unterstützte uns dabei, einen typischen Tokaj-Sauska-Schaumweinstil aus Chardonnay, Pinot Noir und unserer heimischen Sorte Furmint zu entwickeln“, so Betriebsleiter Péter Pohl.
Gleichzeitig gelingt es Sauska, heimische Talente und selbst ausgebildete Nachwuchskräfte in das strikt qualitätsorientierte Team zu integrieren. Etwa die Önologen Gábor Rakaczki in Tokaj und Júlia Futó in Villány, den Küchenchef Attila Bicsár im „Sauska 48″, oder die vielen Mitarbeitenden in den Weinbergen, Kellern und in den beiden Restaurants.
Das qualitätsorientierte Sauska-Team mit heimischen Talenten und selbst ausgebildeten Nachwuchskräften beim Cuvée-7-Tasting in Villány.
Der Budapest-Express
Unser Begleiter bei unserem Besuch in Ungarn ist Péter Pohl, Betriebsleiter der drei Standorte Tokaj (Weißweine), Villány (Rotweine) und Budapest (Schaumweine). Der Nachfahre deutscher Einwanderer, die vor etwa 250 Jahren aus Schwaben nach Südungarn kamen, wuchs im Dorf Bóly in der Nähe von Villány auf und kennt die Arbeit im Weinberg von Kindesbeinen an.
Nach seinem Weinbaustudium in Budapest trat er in den Sauska-Betrieb Villány ein und arbeitete sich im Lauf der Jahre bis zum General Manager hoch. Er ist mit Stefanie, der in Amerika geborenen Tochter Krisztián Sauskas, verheiratet und hat drei Kinder mit ihr.
Pohl absolviert die Strecken zwischen Budapest und Tokaj im Norden bzw. Villány im Süden wöchentlich, während der Weinlese auch häufiger. Er erweist sich dabei, wie das Team von Smart-Wines erleben durfte, als durchaus „sportlicher“ Fahrer, was die Reisezeiten erheblich verkürzte …
Konventionen brechen, Neues wagen
Heute gehört Sauska zu den führenden Weinerzeugern in Ungarn und leistet einen wichtigen Beitrag, das Land auf der internationalen Weinkarte deutlich zu markieren. Von Anfang an war es das Ziel, Weine zu produzieren, die nicht nur zu den besten Ungarns zählen, sondern sich auch international messen können. Im Rückblick betrachtet ein mutig hoher Anspruch, zumal weder Krisztián noch seine Frau Andrea aus etablierten Winzerfamilien kamen. Aber gerade das ermöglichte es ihnen, unbefangen über Weinbau zu denken, Konventionen zu brechen und Neues zu wagen, anstatt einfach den ausgetretenen Pfaden zu folgen.
So etwa zählte die Familie Sauska zu den ersten, die aus den traditionell für Süßweine verarbeiteten Rebsorten Furmint und Hárslevelű trockene Weine und Schaumweine produzierten. Und zu den ersten, die in den Tokajer Weinbergen die französischen Sorten Chardonnay, Sauvignon Blanc und Pinot Noir anpflanzten. Im südungarischen Villány bemüht sich Sauska – neben den Bordeaux-Sorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot – besonders um den Syrah.
In den Weinbergen setzt man auf eine qualitätsfördernde, hohe Pflanzdichte mit bis zu 8.000 Reben pro Hektar. Die Weinbergsarbeit ist intensiv und aufwendig: akkurate Handlese, schonender Rebschnitt und sensible Bodenbearbeitung. Man verzichtet auf Herbizide und passt die Laubarbeit dem Wetterablauf an. Um den Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken, trifft man Vorbereitungen für die selektive Bewässerung in Extremsituationen und bepflanzt auch Nordhänge. Traditionelle Trockenmauern und Weinbergsterrassen werden fachgerecht instandgesetzt bzw. neu errichtet.
Weinland Ungarn: weniger Fläche, mehr Qualität
In den 1960er-Jahren lag die Rebfläche in Ungarn bei 260.000 ha. Der Großteil der qualitativ meist sehr bescheidenen Produktion ging damals in die sozialistischen Bruderstaaten. Nach 1989 jedoch brach dieser „Markt“ zusammen, die Rebfläche schrumpfte. Heute wird in Ungarn nur noch auf 60.000 ha Wein kultiviert. Dort, wo früher Reben standen, etwa auf üppigeren Böden und im Flachland, werden heute Getreide und andere Feldfrüchte angebaut. Ab den 1990er-Jahren entwickelte sich langsam der Qualitätsweinbau, auch dank ausländischer Investoren und kräftiger Landwirtschaftsförderungen der Europäischen Union.
Primzahlen & drei Hauben
Für die anspruchsvolle Gestaltung der Betriebsstätten in Tokaj und Villány engagierte Sauska führende ungarische Architekten. Die Keller sind mit State-of-the-Art-Technik ausgestattet. Großer Wert wird auf Hygiene und exaktes Arbeiten gelegt. Auf durchdachtes Fassmanagement, auf individuelle Vergärung der Weinpartien mit selektionierten Wildhefen und auf die Reifung in jeweils dafür am besten geeigneten Behältern aus Stahl, Keramik, Ton und Holz. Im Keller schließt sich der Kreis vom Licht zum Wein: Zur Desinfektion der Fässer werden Spezialleuchten des Sauska-Unternehmens LightSouces eingesetzt.
Ein weiterer sichtbarer Ausdruck von Sauskas modernem Denken über Wein sind die klare, zeitgemäße Flaschenausstattung, schlichte, prägnante, gut (wieder)erkennbare Etiketten, und die Bezeichnung einiger Cuvées mit Nummern – wie 5, 7, 11, 13 oder 113. Dies sei der Leidenschaft des Weingutsgründers Krisztián Sauska für Technik, Mathematik und Primzahlen zu verdanken, wie uns Betriebsleiter Péter Pohl während der Weinprobe erzählt.
Zum Gesamtkonzept des Unternehmens gehört auch die hervorragende Gastronomie: die Restaurants „Padi“ in Tokaj und „Sauska 48″ in Villány, das vom Guide Michelin empfohlen wird und von Gault & Millau drei Hauben bekam. 2025 zählte das „Sauska 48″ zu den 18 besten Weingutsrestaurants der Welt. Beide Lokale gehören heute zur ungarischen Spitzen-Gastronomie, sind eine perfekte Ergänzung der Sauska-Weine und bieten den Besuchern ein gastronomisch-vinophiles Gesamterlebnis.
Krisztián Sauskas’ Liebe zum guten Essen spiegelt sich in den exquisiten Weingutsrestaurants „Padi“ in Tokaj und „Sauska 48“ in Villány wider und ist ein zentraler Bestandteil des Sauska-Gesamtkonzepts.
Schwäbisch-ungarische Fusion-Küche
Das Mittagessen im hauseigenen Restaurant „Sauska 48″ fällt Michelin-mäßig gut aus. Essen und Wein finden auf höchstem Niveau zusammen. Hier kombiniert man die traditionelle, lokale, aber modern interpretierte schwäbisch*-ungarische Küche mit Elementen der internationalen Haute Cuisine. Übrigens: Die Zahl „48″ im Namen des Restaurants ist schlicht und einfach die Hausnummer des Weingutsgebäudes, kann aber auch als Referenz an das Geburtsjahr 1948 des Patriarchen Krisztián Sauska gelesen werden.
*Schwäbisch, weil sich im 18. Jahrhundert deutschsprachige Siedler aus Schwaben in der südungarischen Region Villány angesiedelt und im Lauf der Zeit auch die regionale Küche maßgeblich beeinflusst hatten.
Im „Sauska 48“ verschmelzen regionale Wurzeln mit moderner Haute Cuisine von Spitzenweinen begleitet.
Tokaj – der kühle Norden
Trockene Weißweine und fabelhafter Pinot Noir
Das Weingut Sauska in Tokaj liegt im Herzen der UNESCO-Weinregion Tokaj-Hegyalja.
Das Gebiet um das kleine Städtchen Tokaj im Nordosten Ungarns ist die traditionsreichste und international berühmteste Weinregion des Landes: Weinbau seit der Antike, 1571 die erste schriftliche Erwähnung des Süßweines Tokaj Aszú, 1630 die erste Beschreibung seiner Produktion, 1730 die weltweit erste, dreistufige Klassifikation von Weinbergslagen.
Die Geschichte der von sanften Hügeln geprägten, 230 km östlich von Budapest gelegenen Region verlief wechselhaft. Die Weinberge waren Jahrhunderte hindurch in Besitz von lokalen, adeligen Großgrundbesitzern, deren Süßweine weltweit gehandelt, auch an Königshöfen getrunken wurden und die Basis für großen Wohlstand bildeten.
Aber es gab auch von Krisen geprägte Epochen. So brachte die Reblausepidemie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Tokajer Weinbau beinahe zum Erliegen. In den 1930ern wurde sogar überlegt, die Weinproduktion zugunsten des damals ertragreicheren Obstanbaus aufzugeben. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlichte das kommunistische Regime auch den Weinbau. Produziert wurden Tokajer Weine vor allem für den Export in die Sowjetunion. Nach der Wende 1989 lösten die Behörden das Tokajer Weinkombinat auf, die Weinberge und Kellereien wurden nach und nach an private Investoren verkauft, viele davon aus dem Ausland.
Turnaround in Tokaj
Die Geschichte Tokajs und dessen lange Tradition als Weißweinzentrum Ungarns erklären auch, warum sich der Leuchtenfabrikant Krisztián Sauska 2003 entschied, hier zu investieren und Weinberge zu erwerben. Später baute er an Ort und Stelle eine moderne, architektonisch anspruchsvolle und aufsehenerregende Kellerei, die 2023 auch für Besucher öffnete.
Der Neue in der ungarischen Winzergemeinde schrieb aber nicht einfach die Geschichte fort, sondern wurde zu einem wichtigen Wegbereiter des neuen Weinbaus im alten, traditionsreichen Tokaj. So pflanzte Sauska 2003 hier als einer der ersten Winzer die klassischen französischen Sorten Chardonnay, Sauvignon Blanc und Noir – wobei, um exakt zu sein, Pinot bereits vor der Reblausplage hier gepflanzt worden war, dieser dann aber vollständig zum Opfer fiel.
Sauska gehörte auch zu den ersten Betrieben, die weltweit nach wie vor mit Süßweinen assoziierten Region Tokaj trockene Weine und Schaumweine produzierten – unter Einbeziehung der autochthonen weißen Sorten Furmint und Hárslevelű. 2009 fuhr die Winzerfamilie ihre erste, vollständig auf trockene Weine fokussierte Ernte in Tokaj ein.
Mit all dem wirkte der Familienbetrieb kräftig am Tokajer Turnaround von Süß zu Trocken mit. Ohne die familiäre Vorbelastung einer alteingesessenen Winzerdynastie ging Sauska daran, historische, jahrhundertelang der Süßweinproduktion gewidmete Weinberge neu zu definieren: als Herkunftsorte großartiger trockener Weine und Schaumweine.
„So etwa erwies sich die Top-Lage Birsalmás inzwischen als wunderbares Terroir für trockenen Furmint, Chardonnay und … Pinot Noir!“, freut sich Péter Pohl, Leiter der drei Sauska-Betriebe und Schwiegersohn des Gründers Krisztián Sauska.
Die Top-Lage Birsalmás – heute ein wunderbares Terroir für trockenen Furmint, Chardonnay und Pinot Noir.
Local Heroes: Furmint & Hárslevelű
Furmint ist eine 1623 erstmals schriftlich erwähnte Weißweinsorte in Ungarn. In Bezug auf ihre Herkunft gibt es keine Gewissheit, aber schöne Geschichten. So soll der Furmint im 17. Jahrhundert von der aus dem Veneto stammenden Prinzessin Aurora Formentini zur Hochzeit mit dem ungarischen Magnaten Ádám Batthyány mitgebracht worden sein. Heute stehen in Ungarn rund 4.000 ha in Ertrag, fast zur Gänze in der Region Tokaj.
Die spät reifende, frostempfindliche und für Botrytis (Edelschimmel) anfällige Sorte liebt kalkreiche und vulkanische Böden. Wurden bis vor wenigen Jahren aus Furmint fast ausschließlich die berühmten Tokajer Süßweine produziert, stellen heute einige Weingüter aus der Sorte auch hochqualitative trockene Weine und Schaumweine her.
Auch der 1740 erstmals erwähnte Hárslevelű ist eine alte ungarische Weißweinsorte. Sie stammt aus dem Karpatenbecken und wurde sogar an der Tafel der ungarischen Könige gereicht. Heute sind im Land etwa 1.600 ha damit bepflanzt. Der deutsche Name „Lindenblättriger“ deutet auf eine Ähnlichkeit der Weinblätter mit jenen des Baumes hin. Die Sorte mag vulkanische Böden wie in Tokaj. Aus Hárslevelű werden vor allem Süßweine, von innovativen Winzern aber auch trockene, fruchtig-würzige, harmonische Weine bereitet. In Sauskas „Cuvée 107″ ist die Sorte der Verschnittpartner von Chardonnay.
Mehr als 400 Arbeitsstunden pro ha und Jahr
Im Vergleich zum 220 km südlich von Budapest liegenden, warmen Rotweingebiet Villány, wo Sauskas zweiter Betrieb liegt, ist Tokaj ein kühles Weinbaugebiet. In den sanften Hügeln der Region finden sich mineralreiche Böden mit hohen Anteilen an Kalk und Vulkangestein: ideal für trockene Weine und knackig frische Sparklings.
Sauska bewirtschaftet 66 ha in besten Tokajer Lagen wie Birsalmás, Medve und Padihegy. Dass davon 45 ha allein in den Jahren seit 2016 gepflanzt wurden, zeigt das intensive Engagement der Familie in der rund 5.000 ha großen Weinbauregion.
Die Weinberge werden sichtbar vorbildlich, intensiv und dementsprechend arbeitsaufwändig gepflegt: 400 bis 450 Stunden pro Hektar und Jahr sind es etwa im Weinberg Medve. Im Vergleich dazu benötigen flache, mit Maschinen bewirtschaftete Lagen nur 200 bis 300 Stunden.
Zwei kalkweiße Schalen
Das für Sauska vom namhaften ungarischen Architektenbüro BORD gestaltete Weingutsgebäude im Weinberg Padihegy erweckt, aus der Perspektive der hier häufig kreisenden, nach Mäusen jagenden Greifvögel, den Eindruck zweier riesiger, einander überlappender kalkweißer Schalen – mit einem beeindruckenden Durchmesser von jeweils 36 m. Der Bau ist eine „Landmark“, ein Statement: weithin erkennbar, aber nicht aufdringlich, futuristisch, aber nicht protzig, sanft in die Landschaft gesetzt, nicht aggressiv aufragend. Vielmehr fügt es sich gut in die natürliche Umgebung ein, scheint schwerelos über den Reben zu schweben und beansprucht oberirdisch wenig Platz, da sich die Kellerei unsichtbar darunter verbirgt.
Das Restaurant „Padi“ ist sowohl im Hinblick auf seine Lage im Gebäude als auch in Bezug auf die hier praktizierte Kulinarik im wahrsten Sinn „überirdisch“. Von seiner Terrasse bieten sich überwältigende Blicke in die Weinberge Tokajs.
Das unterirdische Zentrum der Kellerei ist ein kathedralenartig aufragender Raum. Hier sind Fässer aus Eiche, Amphoren aus Ton und eiförmige Granitbehälter in verschiedenen Größen effektvoll arrangiert. In gebührendem Abstand dazu stehen kreisförmig angeordnete Stahltanks, die wie riesige Wächter erscheinen.
Hier ist die Wirkungsstätte eines sportlich-drahtigen Mannes mit raspelkurzen Haaren, Bart, sanfter Stimme, stillem Humor und einem Handschlag mit dem Druck einer Sektflasche: Der Önologe Gábor Rakaczki ist hauptverantwortlich für die Weinproduktion an Ort und Stelle.
Alles hier ist so blitzsauber und aufgeräumt, dass man den – falschen – Eindruck bekommt, es handle sich gar nicht um einen Arbeitskeller. Man hat sogar Hemmungen, die Weine der Fassproben in den Gully zu spucken, weil dieser so sauber ist wie ein frisches weißes T-Shirt: ein Zeichen des extrem hohen Standards an Ordnung, Sauberkeit und Hygiene, der in allen drei Sauska-Kellereien gilt, sei es hier in Tokaj, im südlichen Villány oder in Budafok, wo die Schaumweine produziert werden.
Ein inszeniertes Spiel der Formen: Keramik, Ton und Holz im Inneren eines Rings aus Stahltanks.
Umweltfreundlich & kostensparend
In Bezug auf die Schaumweinproduktion hat man eine umweltfreundliche und kostensparende Vorgehensweise ausgedacht: In Tokaj werden die Basisweine bereitet und die Cuvées zusammengestellt. Diese transportiert man dann im gekühlten Tankwagen zum Sauska-Keller im Budapester Stadtteil Budafok, wo die Weine in Flaschen gefüllt werden, um die zweite Gärung und den Reifeprozess zu durchlaufen. Dieses Procedere sei besser für die Umwelt und spare auch Kosten, so der Önologe Gábor Rakaczki, denn: „Die Schaumwein-Cuvées gleich hier in Tokaj in Flaschen abzufüllen und dann in den Reifekeller zu transportieren, würde dreimal so viele LKW-Fahrten erfordern.“
Sauska in Tokaj – Zahlen & Fakten
Betriebsleiter: Péter Pohl
Önologe: Gábor Rakaczki
Weinbergsmanager: Götz Máté
Weinbaufläche: ca. 66 ha
Jahresproduktion: ca. 150.000 bis 200.000 Flaschen trockene Weine, 10.000 bis 20.000 Flaschen Aszú und Spätlese (Süßweine)
Rebsorten: Furmint, Pinot Noir, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Hárslevelű, Sárgamuskotály (Gelber Muskateller)
Rakaczki Gábor – Önologe in Tokaj
Sauska in Tokaj – die Weine
Im Tokajer Betrieb der Familie Sauska werden trockene Weiß- und Rotweine, die Grundweine für die Sparklings sowie traditionelle Süßweine (Aszú) produziert.
• Furmint Tokaj
Trauben aus verschiedenen Weinbergen in Tokaj. Elegante, zarte, vielschichtige Aromen von weißem Pfirsich, gelber Birne, Akazienblüte, vielschichtige Noten von Hefe und Tokaj-typischem, vulkanischem Feuerstein; frisch und elektrisierend, komplexe Struktur, dennoch leicht und unprätentiös. In Stahltanks vergoren und sechs Monate auf der Hefe gereift; hervorragender, universeller Speisenbegleiter, perfekt zur vegetarischen Küche.
PS: Krisztián Sauska würzt Suppen gelegentlich mit einem Löffel Furmint!
• Furmint Birsalmás
Lagenwein aus dem historischen Top-Weinberg Birsalmás, spiegelt dessen vulkanisch-mineralisch-südexponiertes, terrassiertes Terroir gut wider, ausdrucksstark, Botschafter der Lage, der Region Tokaj, des Weinlandes Ungarn und der Familie Sauska; nur 2.000 bis 3.000 Flaschen jährlich. Fruchtige Williamsbirne, kandierte Zitrone, Crema catalana; vielschichtig, frisch, gleichzeitig cremig. Vergoren im Edelstahl, fünf Monate lang zu 80 % in 500-Liter-Fässern aus französischer Eiche und zu 20 % in eiförmigen Granitbehältern und Edelstahltanks gereift.
• Furmint Medve
Lagenwein aus dem Weinberg Medve: Der vulkanische Lehmboden sorgt für Struktur, ein angrenzender Kiefernwald für Frische. Verbene, Birne, Ananas, kalkig-mineralisch, mittlerer Körper, lebhafte Säure, Nachgeschmack von Karamell, langer, zitrusartiger Abgang, Tokaj- typische, vulkanische Mineralität, leicht salzige Note. Gärung in Edelstahltanks, fünf Monate lang gereift: 2/3 in 500-Liter-Fässern aus französischer Eiche, 1/3 in Graniteiern und Edelstahltanks. Nur wenige Tausend Flaschen werden jährlich produziert.
• Cuvée 107
Seltene Spezialität (nur wenige Hundert Flaschen jährlich) aus je 50 % Hárslevelű und Chardonnay. Aromen von Zitrusfrüchten, Gewürzen, Vanille, Ananas, schwarzem Tee, vollmundig, straff. Die Aprikosen- und Ingwerwürze des in 500-l-Eichenfässern vergorenen Hárslevelű harmoniert gut mit der Seidig- und Cremigkeit des in Edelstahltanks vergorenen Chardonnay.
• Sauvignon Blanc
Erfrischende, milde Aromen von Limette, Minze, grüner Birne, elegant, angenehm hefig, gut strukturiert, klassische, spritzige Frische, langer Abgang mit Gartenkräutern und Stachelbeernote. Im Stahltank vergoren und vier Monate auf der Hefe gereift.
• Chardonnay Tokaj
Düfte nach reifer, süßer Williamsbirne, Baiser, Jasminblüten, schöne Chardonnay-Textur mit erfrischender, knackiger Säure und Salzigkeit. Die vulkanischen Tokajer Böden kommen als schöne Feuersteinnote zum Ausdruck, dicht, dezent, tiefgründig, engmaschig, langer Abgang mit Aromen von weißem Pfirsich und Birne. Stilistisch zwischen Chablis und Mâcon angesiedelt. Vergärung und vier Monate Reife in Edelstahltanks auf der Hefe.
• Chardonnay Birs
Eleganter Lagenwein aus dem Weinberg Birsalmás, vulkanische Böden, cremig, schöne Frucht. Aromen von weißen Pfirsichen, Orangenblüten, weißem Nougat, Nektarinen, Melonen; knackig, lebhaft, frische Säure, geradlinig, viel Kraft am Gaumen, salziger Abgang mit einem Nachgeschmack von Pfirsich und Sahne. Gärung in Edelstahltanks, fünfmonatige Reife zu je 1/3 in Edelstahltanks, Tonamphoren und französischen Barriques (50 % neu).
• Pinot Noir Birs
Lagenwein aus dem Terrassen-Weinberg Birsalmás (eisenreiche Vulkanböden), viel Persönlichkeit, Intensität, Vitalität, Mineralität und Frische. Dunkle, reife Kirschen, Pflaumen, getrocknete rote Johannisbeeren, vielschichtige, blumige Aromen von getrockneten Lilien, Rosen und Veilchen, dazu Tabak, Oregano, Rosmarin. Vollständig entrappte Trauben, in Edelstahltanks vergoren, 15 Monate in französischen Barriques gereift (20 % neu).
• Pinot Noir Padi
Lagenwein aus dem Top-Weinberg Padihegy (Kalkböden), sehr fein, elegant, vertikal. Aromen von Kirschen, getrockneten Veilchen, Salbei, Szechuan-Pfeffer, dunkler Schokolade. Leicht und doch reichhaltig, frisch und doch komplex, würzig, fruchtig. Die Trauben wurden entrappt und in Edelstahltanks vergoren, 15 Monate in französischen Barriques gereift (25 % neu).
Sauska in Tokaj – die Weinberge
• Birsalmás
Größe: 10,2 ha
Rebsorten: Furmint, Pinot Noir, Chardonnay, Hárslevelű
Lage: nordwestlich des Dorfes Mád
Ausrichtung: Südwest, West
Höhenlage: 160 bis 240 m
Boden: Lehm auf vulkanischem Rhyolith-Grundgestein, Ton, Schluff
Reberziehung: Kordon, Doppelarmkordon, Guyot, Gobelet (Einzelpfahl)
Anmerkung: Herkunft gehaltvoller, mineralischer, komplexer Weine mit hohem Alterungspotenzial; Birs ist das ungarische Wort für Quitte. Diese Frucht wird an den Rändern des Weinbergs kultiviert – für Konfitüre und Destillate.
• Medve
Größe: 18,3 ha
Rebsorten: Furmint, Hárslevelű, Pinot Noir, Sárgamuskotály (Gelber Muskateller)
Lage: zwischen den Orten Bodrogkeresztúr und Mád, am Rande des Zemplén-Waldes
Ausrichtung: Ost, Süd, Südwest
Höhenlage: 220 bis 280 m
Reberziehung: Kordon, Doppelarmkordon, Guyot
Boden: lehmiger Ton auf Rhyolith-Tuff-Grundgestein
Anmerkung: einer der wichtigsten Sauska-Weinberge; der hohe Magnesiumgehalt des Bodens verleiht den Weinen eine klare mineralische Note sowie erfrischende Säure; benannt nach dem ungarischen Wort Medve für „Bär“ – aufgrund der lokalen Bärenpopulation in früheren Jahrhunderten
• Istenhegy
Größe: 10,3 ha
Rebsorten: Furmint, Pinot Noir, Chardonnay, Sárgamuskotály (Gelber Muskateller)
Lage: südöstlich der Ortschaft Rátka
Ausrichtung: Süd, Südost, Ost
Höhenlage: 130 bis 175 m
Reberziehung: Doppelarmkordon, Guyot
Boden: viele kalkhaltige Stellen mit der Komplexität der Côte des Blancs in der Champagne
Anmerkung: erstklassig für Schaumweine
• Padihegy
Größe: 17,1 ha
Rebsorten: Furmint, Hárslevelű, Chardonnay, Pinot Noir, Sauvignon Blanc
Lage: westlich der Straße zwischen den Orten Mád und Rátka, unmittelbar neben der Kellerei
Ausrichtung: Nordost, Ost, Südost, Süd, Südwest, West
Höhenlage: 140 bis 210 m
Reberziehung: Kordon, Doppelarmkordon, Guyot, Doppel-Guyot
Boden: Lehm auf Untergrund aus Silikat-Quarzit
Anmerkungen: bringt schlanke, ausgewogene, elegante Weine hervor
• Dorgó-Hegymegi
Größe: 7 ha
Rebsorten: Furmint, Pinot Noir
Lage: südöstlich der Ortschaft Mád
Reberziehung: Guyot, Gobelet (Einzelpfahl)
Ausrichtung: Süd, West, Nord, Ost
Höhenlage: 170 bis 220 m
Boden: sandiger Lehm auf vulkanischem Rhyolith-Untergrund
Anmerkung: bis zu 70 Jahre alte Reben
Villány – der warme Süden
Kékfrankos, Cabernet & Co
Villány zeigt sich kantig, klar und streng geometrisch – das genaue Gegenteil der Sauska-Kellerei in Tokaj.
Die Wahl der 220 km südlich von Budapest liegenden Region Villány als Standort der Rotweinkellerei von Sauska war einerseits von der Natur vorgegeben: Die Kalksteinböden und das warme Klima hier bieten optimale Voraussetzungen für rote Sorten. Andererseits war die Entscheidung auch „menschlich“ begründet: Die Region ist ein Stück Heimat der Familie. Der Lichtspezialist und Weingutsgründer Krisztián Sauska wurde im 45 km von Villány entfernten Dorf Somberek geboren, dessen Schwiegersohn und Betriebsleiter Péter Pohl stammt aus Bóly, nur 15 km vom Städtchen entfernt.
Erweckt die Sauska-Kellerei in Tokaj den Eindruck einer im Weinberg sanft gelandeten fliegenden Untertasse, so ist das 2008 errichtete Betriebsgebäude in Villány das exakte Gegenteil: Kantig und klar steht es in der Ebene, aus Stein gemauert, geprägt von quaderförmigen Baukörpern mit geraden Linien und rechten Winkeln. Eine großzügige Terrasse eröffnet weite Blicke hin zu den Weinbergen von Sauska, die sich in den umliegenden Hügeln bis ganz nach oben erstrecken, wie etwa der „Grand Cru“ Ördögárok. Mit seinen 350 m gilt der „Teufelsgraben“, so der deutsche Name des Weinbergs, im flachen Umland bereits als Höhenlage. Hier herrschen große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, was die Ausprägung der Aromen in den Trauben begünstigt.
Ein nördlich von Villány liegender, in Ost-West-Richtung verlaufender Höhenzug schützt das etwa 2.100 ha große Weinbaugebiet vor Kälte aus dem Norden. Vom Süden her dringen die Ausläufer des warmen mediterranen Klimas bis hierher vor. In dieser, im Vergleich zu Tokaj warmen Region produziert die Familie Sauska ihre Rotweine: aus den heimischen Sorten Kadarka und Kékfrankos (Blaufränkisch/Lemberger), vor allem aber aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot, weil diese Sorten, so Péter Pohl, „das Terroir von Villány optimal zum Ausdruck bringen.“ Nach jahrelangen Bodenanalysen und Versuchspflanzungen mit verschiedenen Klonen wurde 2016 die Sortenpalette um Syrah bereichert. Dieser erste Syrah mit der Herkunftsbezeichnung Siklós, einer Sub-Region von Villány, betont einmal mehr die Innovationsfreude von Sauska.
Außergewöhnliche Frische und Eleganz
2022 schrieb die britische Weinkritikerin Tamlyn Currin auf www.jancisrobinson.com unter dem Titel „Ungarische Rotweine am Scheideweg“: „Ungarische Rotweine stehen mit einem Bein in der Vergangenheit und mit dem anderen fest in der Zukunft. Während meiner Reise nach Ungarn im Jahr 2019 und bei jeder Gelegenheit, die ich seitdem hatte, ungarische Rotweine zu probieren, empfand ich es wie ein Spiel mit zwei verschiedenen Halbzeiten. Grob gesagt scheinen traditionelle ungarische Rotweine der alten Schule entweder leicht süßlich zu sein, nach Industrie schmeckender Fusel, oder holzlastige, hochprozentige, berdimensionierte Bordeaux-Imitate. Ich finde beide Stile schwer zu trinken. Auf der anderen Seite aber habe ich Rotweine von außergewöhnlicher Frische und Eleganz entdeckt.“ Mit hoher Wahrscheinlichkeit fanden sich unter den frisch-eleganten Entdeckungen von Tamlyn Currin auch die Rotweine von Sauska …
Zehnkämpfer statt Bodybuilder
Im State-of-the-Art-Keller in Villány werden Trauben, Moste und Weine vorwiegend per Schwerkraft bewegt, um Stress und Beeinträchtigung durch Pumpen zu vermeiden. In enger Absprache mit Péter Pohl baut die bereits seit 2009 bei Sauska tätige Önologin Júlia Futó die Weine sehr sensibel aus – in mittelstark getoasteten Holzfässern der französischen Spitzen-Tonnellerie Baron: ein Zeichen des unternehmenstypischen Qualitätsstrebens.
Einerseits produziert man rebsortenreine Weine, andererseits verarbeitet Júlia Futó die Sorten Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot auch zu klassischen Cuvées, die stilistisch im Dreieck Bordeaux-Kalifornien-Chile verortet werden können. Aber: Sauska will keine ungarischen Kopien von internationalen Spitzenweinen machen, sondern internationale Spitzenweine mit eindeutig ungarischer Herkunft.
Die Weine zeigen Charakter und Muskeln, sind aber nicht opulent. Sie haben eher den wohlproportionierten Körperbau eines Zehnkämpfers als die Statur eines Bodybuilders. Sie sind ausdrucksstark und feinsinnig; besonders die Weine aus kühleren, höher gelegenen Parzellen erweisen sich als finessenreich und elegant, wie etwa die „Cuvée 7 Siklós“ oder der „Cabernet Franc Siklós“.
Cabernet hin, Merlot her: Nicht geringschätzen sollte man die Bemühungen von Péter Pohl und Júlia Futó um alte ungarische rote Sorten. So gelang es etwa, die meist unterbewertete Kadarka auf ein bis dato nicht gekanntes Qualitätsniveau zu heben.
Bezeichnend: Während unseres Tastings spricht die ruhige, zurückhaltende Kellermeisterin wenig. Aber als wir sie später nach ihren persönlichen Lieblingsweinen bzw. Rebsorten fragen, nennt Júlia Futó spontan und sehr bestimmt: „Kékfrankos und Kadarka!“, also die autochthonen Sorten der Region. Interessant: Diese beiden Weine sind jene, die auch Péter Pohl „zuhause beim Essen“ am häufigsten öffnet, obwohl da auch schwerere Kaliber im Weinschrank liegen, wie etwa der Top-Rotwein von Sauska, die „Cuvée 5″ aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc.
Local Heroes: Kadarka & Kékfrankos
Kadarka ist eine alte autochthone Rotweinsorte auf dem Balkan, die besonders gut in Südungarn gedeiht. Sie ist sehr anspruchsvoll in Bezug auf Boden und Bearbeitung, nicht zuletzt deshalb schrumpften die Anbauflächen in Ungarn auf zuletzt nur noch 280 ha.
Kadarka gilt als kapriziöse Diva. Will man gute Qualitäten erzielen, muss man sich im Weinberg und Keller viel Mühe geben, exakt arbeiten und bei der Lese gutes Timing haben, denn aufgrund der dünnen Beerenhaut besteht bei Überreife Fäulnisgefahr. Das Zeitfenster zwischen unreif und faulig ist nur sehr kurz offen. Aber wenn man all diese Hürden bewältigt, kann Kadarka großartige Qualitätsweine ergeben: vibrierend fruchtig, duftig, frisch und leicht, gleichzeitig extraktreich, würzig und dunkel, mit feinen Tanninen und beachtlichem Alterungspotenzial. Sauska füllt Kadarka sortenrein ab, setzt ihn aber auch als Partner in der „Cuvée 13″ ein.
Kékfrankos
Die in Ungarn Kékfrankos, in Österreich Blaufränkisch und in Deutschland Lemberger genannte Sorte bevorzugt mildes, warmes Klima, bietet intensive Waldbeeren- und Kirschfrucht, dunkle Farbe, viel Würze, reichlich Tannin.
Die bereits für die Zeit vor 1750 nachgewiesene Sorte stammt sehr wahrscheinlich aus der Untersteiermark, die heute ein Teil Sloweniens ist. Von dort – aus dem Dorf Lemberg – wurden 1877 erstmals Blaufränkisch-Reben als „Lembergerreben“ nach Deutschland exportiert, wo sich die Sorte als „Lemberger“ etablierte.
PS: Vor rund 220 Jahren in Ungarn stationierte Soldaten Napoleons hatten eine Vorliebe für diesen speziellen Rotwein entwickelt. Sie bezahlten ihn mit – blau schimmernden – Franc-Münzen. Aus der Zusammensetzung der ungarischen Wörter „kék“ (blau) und „frank“ (Franc) entstand der Name des Weines: Kékfrankos.
Sauska in Villány – Zahlen & Fakten
Betriebsleiter: Péter Pohl
Önologin: Júlia Futó
Weinbergsmanager: Bence Makó
Weinbaufläche: ca. 82 ha
Jahresproduktion: ca. 600.000 Flaschen
Rebsorten: Kadarka, Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Syrah, Kékfrankos (dem Klima und Boden der Region angepasste Klone)
Júlia Futó – Önologin in Villàny
Sauska in Villány – die Weine
Im südungarischen Villány produziert die Familie Sauska Rotweine aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Syrah, sowie aus den autochthonen Sorten Kadarka und Kékfrankos (österr.: Blaufränkisch, dt.: Lemberger).
• Kadarka
Durch sensible Vinifizierung interpretiert Sauska diese autochthone, an sich robuste Sorte neu, elegant und frisch. Rubinrot, intensive Aromen von Kirschen und reifen Cranberries, würzig-blumige Noten von Nelken, Piment und Veilchen, knackig, lebhafte Säure. Trauben aus der Top-Lage Ördögárok bei Villány, Vergärung in Edelstahltanks und gebrauchten Eichenfässern, sechsmonatige Reife in gebrauchten 500-Liter-Eichenfässern und Tonbehältern.
• Kékfrankos Villány
Eine frische, kühle Variante dieser alten ungarischen Rebsorte. Leuchtend violett, fruchtig-würzige Aromen von Kirschen und saftigen Blaubeeren, Pfeffer, mentholartige Frische, lebhaft am Gaumen, spritzige Säure, langer Abgang. Trauben aus dem kühlen, windigen, hoch gelegenen Weinberg Zuhánya, vergoren und gereift teils in 750-Liter-Tonamphoren, teils in kugelförmigen 400-Liter-Gefäßen aus weißem Ton.
• Cuvée 11
Merlot, Kékfrankos, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc aus vier verschiedenen Weinbergen der Region Villány, hervorragendes Preis-Qualitätsverhältnis. Rund, fruchtig, saftig, intensiv, Kirschen, Blaubeeren, Tabak, mittlerer Körper, junge Tannine, bemerkenswerte Frische, spontan zugänglich. Gärung in Edelstahltanks, 15-monatige Reife in Eichenfässern (20 % neu).
• Cuvée 7 Siklos
Merlot-dominierte Cuvée mit Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon. Warmes Aroma von reifen Pflaumen, zimtartige Würze, dunkle Schokolade, herrliche Kräuterfrische, lebendige Säure. Vollmundiger, samtiger, langer, frischer Nachgeschmack von hochreifen Pflaumen. Trauben aus den kühlen Weinbergen Makár und Zuhánya in Siklós, einer Subregion von Villány. Gärung in Edelstahltanks, 15-monatige Reife in Eichenfässern (30 % neu).
• Cuvée 7 Villány
Einer der wichtigsten Sauska-Rotweine, Cabernet Sauvignon mit Cabernet Franc und Merlot. Schwarze Johannisbeeren, Cassis, Graphit, eukalyptusartige Frische, gut integrierte Aromen von Eiche, Tabak, Sandelholz. Schöne Spannung am Gaumen, weiches Mundgefühl, frische Säure, feine Tannine. Vielschichtig, komplex, langlebig. Gärung in Edelstahltanks, 15 Monate in französischen Barriques (30 % neu) gereift, zwei Jahre Flaschenlagerung.
Modernes Flaschendesign mit klarem Etikett und nummerierten Cuvées – eine Hommage an Krisztián Sauskas Leidenschaft für Mathematik und Primzahlen.
• Merlot Csukma
Ein toller Merlot aus dem kühlen Weinberg Csukma, einem „Grand Cru“ bei Siklós. Konzentrierte Aromen von reifen Pflaumen, schwarzen Johannisbeeren, Lakritz, Zedernholz, Tabak, Salbei. Reichhaltig, vollmundig, elegant. Gärung in Edelstahltanks, 15 Monate in französischen Barriques (30 % neu) gereift.
• Franc Makár
Eleganter Cabernet Franc aus der hoch gelegenen, windgekühlten Einzellage Makár in Villány. Intensive Aromen von Maraschino-Kirschen, Bourbon-Vanille, weißem Pfeffer, Brombeeren, Piment; blumige Frische, viel Finesse, voller Körper, angenehme Säure.
Gärung in Edelstahltanks, 15 Monate in französischen Barriques gereift (70 % neu).
• Cabernet Sauvignon Ördögárok
Châpeau! für diesen kräftigen, intensiven ausdrucksstarken Cabernet Sauvignon aus dem Weinberg Ördögárok, ein authentischer Spiegel des Terroirs von Villány. Reife schwarze Beeren, Balsamico, Kräuter der Provence, Granatapfelkerne, Eukalyptus, ausgeprägte Tanninstruktur, viel Frische, langer Abgang.
Gärung in Edelstahltanks, 15 Monate in französischen Barriques gereift (70 % neu).
• Cuvée 5 Villány
Die Top-Cuvée von Sauska! Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot, strenge Selektion der besten Weinpartien aus den „Grand Crus“ von Villány: Makár, Kopár, Ördögárok.
Betörende Aromen von schwarzen Kirschen, Brombeeren, Kardamom, Leder, Veilchen, iberischem Schinken; weiche Textur, vollmundig, langer, fruchtbetonter, gleichzeitig frischer Abgang. Gärung in Edelstahltanks, 16 Monate in französischen Barriques gereift (85 % neu).
Sauska in Villány – die Weinberge
• Ördögárok
Größe: 8 ha
Rebsorten: Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Kadarka, Syrah
Lage: im östlich-südöstlichen Teil des Weinbaugebiets Villány
Ausrichtung: Süd
Höhenlage: 140 bis 350 m
Boden: Löss auf Kalksteinuntergrund, stellenweise rotbrauner Lehm
Reberziehung: Kordon
Anmerkung: große Höhenunterschiede innerhalb der muldenartigen Lage, die nachts die Wärme des Tages gut speichert und den Weinen reichlich Aromen verleiht
Weinberg Ördögárok im östlich-südöstlichen Teil des Weinbaugebiets Villány
• Kopár
Größe: 9,74 ha
Rebsorten: Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Merlot, Kékfrankos (Klon B31 auf Unterlage 1103 Paulsen)
Lage: ganz im Westen der Region Villány
Ausrichtung: Süd
Höhenlage: 100 bis 165 m
Boden: Kalkstein, Mergel, Dolomit, Humusschicht aus Löss, flachgründigem, gips- und karbonathaltigem Redzina- und braunem Waldboden
Reberziehung: Kordon, Guyot
Anmerkung: vollständig nach Norden geschützt, frühzeitiger Frühlingsbeginn mit Mandelblüte Ende Februar
• Makár
Größe: 38,6 ha
Rebsorten: Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Kékfrankos (Klon A-4-1 auf Unterlage 110 Richter sowie Klon A-4-1 auf Unterlage 420A)
Lage: nordwestlich der Ortschaft Siklós, in den Tenkes-Hügeln
Ausrichtung: Ost, Süd, West
Höhenlage: 250 bis 300 m
Boden: brauner Waldboden, Kalk, Mergel, Dolomit, Lehm, Sand
Reberziehung: Doppelkordon, Guyot
Anmerkung: konstanter Wind auf der Hochebene, die deutliche nächtliche Abkühlung nach heißen Sommertagen trägt dazu bei, die lebendige Säure in den Trauben zu bewahren
• Zuhánya
Größe: 22 ha
Lage: am Rande der Ortschaft Máriagyűd bei Siklós
Rebsorten: Kadarka, Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Syrah, Kékfrankos (Klon BH 2-12 auf Unterlage 420A)
Ausrichtung: Süd, Südost, Ost
Höhenlage: 170 bis 300 m
Boden: Kalksteinuntergrund mit hohem Humusgehalt, kalziumreicher, brauner Waldboden, Lehm
Reberziehung: Kordon, Guyot
Anmerkung: hoch gelegene Parzellen, kühlender Wind, deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht begünstigen die Aromenentwicklung und bewahren die Säure in den Trauben
• Csukma
Größe: 4,11 ha
Lage: oberhalb des Marmorsteinbruchs von Siklós-Máriagyűd
Sorten: Merlot, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon, Syrah
Ausrichtung: Süd, Nord
Höhenlage: 290 bis 330 m
Boden: Kalksteinuntergrund mit hohem Humusgehalt, kalziumreicher, brauner Waldboden, Lehm
Reberziehung: Guyot
Bubbles aus Budafok
Die Schaumweine von Sauska
In Budafok werden die Schaumweinproduktion nach der „Méthode Traditionnelle“ und die dazugehörigen Lagerkeller auf 10.000 m² betrieben.
Tief im Boden unter Budafok, einem Vorort von Budapest, verbirgt sich ein weitläufiges, labyrinthartiges, mehr als 50 km langes Tunnelsystem, das vor etwa 150 Jahren in den Kalkstein getrieben wurde. Auf 10.000 Quadratmetern sind hier seit 2015 die Schaumweinproduktion von Sauska und die entsprechenden Lagerkeller untergebracht.
Unabhängig von der Jahreszeit herrschen dank des Kalkgesteins eine konstante Temperatur von 13°C und eine gleichbleibende Luftfeuchtigkeit von 80 %. Vertikal verlaufende Schächte sorgen für permanent und unmerklich sanft strömende Frischluft: „Eine perfekte, natürliche, umweltfreundliche und kostenlose Klimaanlage“, freut sich Péter Pohl, Betriebsleiter von Sauska.
Seit mehr als zehn Jahren spielt die Winzerfamilie eine wichtige Rolle in der Produktion hochklassiger ungarischer Schaumweine. So gehörte Sauska 2011 zu jenen Pionieren im Land, die sich daran wagten, trockene Qualitätsschaumweine aus der heimischen, bis dahin vor allem zu Süßweinen verarbeiteten Sorte Furmint zu produzieren, meist in Cuvées mit Chardonnay und Pinot Noir. Man ging damals mit Weitsicht vor und begann frühzeitig, Reserveweine für nachfolgende Jahre zur Seite zu legen.
Als Berater engagierte die Familie Sauska 2017 den in der Branche als lebende Legende geltenden Régis Camus, den ehemaligen Kellermeister von Piper-Heidsieck. Der in Frankreich achtmal als „Sparkling Winemaker of the Year“ ausgezeichnete Camus war wesentlich daran beteiligt, das optimale Verhältnis von Furmint, Chardonnay, Pinot Noir, Reserveweinen, Dosage – und damit den typischen Sauska-Stil zu entwickeln.
Ein neuer Blick auf die Weinberge
Die Grundweine für die Sparklings werden auf dem Sauska-Betrieb in Tokaj bereitet. Die Trauben dafür kommen vor allem aus höheren, nördlich und westlich exponierten, daher kühleren Parzellen in den Top-Lagen Istenhegy, Padihegy, Medve und Birsalmás. „Wir verarbeiten ausschließlich eigene Trauben aus Tokaj, kaufen nichts zu“, so Péter Pohl. Ebenfalls bemerkenswert: Der Anteil an älteren Reserve-Weinen für die Non Vintage-Sparklings liegt bei hohen 25 bis 30 % und trägt wesentlich zur Konsistenz des Sauska-Stils bei.
Péter Pohl: „Die Schaumweinproduktion hat uns auch dabei geholfen, unsere Weinberge in Tokaj aus einer neuen Perspektive zu betrachten und Parzellen zu finden, die in der Vergangenheit aufgrund ihres Mangels an Botrytis nicht besonders geschätzt wurden.“ Zur Erklärung: Bis vor etwa 20 Jahren war Tokaj aus Tradition auf die Herstellung von süßen Aszú-Weinen aus Botrytis-befallenen Trauben konzentriert. Für die Herstellung von hochwertigen Schaumweinen aber sind Trauben unerlässlich, die frei von Botrytis sind.
In Tokaj produziert man aber nicht nur die trockenen Grundweine der Sparklings, sondern stellt auch gleich die Cuvées zusammen, die dann per Tankwagen in die Kellerei nach Budafok gebracht werden. Hier läuft die zweite Gärung gemäß der „Méthode Traditionnelle“ in der Flasche ab. Dafür setzt man französische Champagner-Hefe ein.
Das Rütteln der Flaschen erfolgt maschinell, wobei jede dieser Vorrichtungen 420 Stück davon aufnimmt und diese, so Péter Pohl, „langsam, absolut gleichmäßg und präzise rüttelt: wichtig für die gleichbleibende Qualität der Weine.“
Die Schaumweine reifen 24 bis 48 Monate in der Flasche. Die Dosage reicht von 0 g/l für den Brut Nature, über 4 g/l für den Blanc de Blancs bzw. 7 g/l für den Brut, bis hin zu 13 g/l für den Extra Dry.
Typisch Sauska: Für die Sparklings wurden eigene Flaschen gestaltet – aus braunem Glas, mit extra langem, dünnem Hals, hergestellt in Frankreich, verschlossen mit Naturkork. Der klassische „Champagnerdeckel“ (plaque de muselet) zwischen Drahtgeflecht und Korken trägt den großen schwarzen Sauska-Punkt.
Péter Pohl empfiehlt, die Schaumweine seiner Familie „open minded“, also unvoreingenommen, zu verkosten. Man werde überrascht sein, welch hohes Qualitätsniveau pannonische Schaumweine im Allgemeinen und jene von Sauska im Besonderen inzwischen erreicht hätten. Sein persönlicher Favorit? „Extra Brut.“ Warum? Dieser aus den autochthonen ungarischen Sorten Furmint und Hárslevelű produzierte Sparkling sei, so Pohl, … „most typical Tokaj!“
Für Peter Pohl „most typical Tokaj“ und persönlicher Favorit: „Extra Brut“ – ein Sparkling aus den autochthonen ungarischen Sorten Furmint und Hárslevelu.
Stumme Zeugen der Vergangenheit
Nach dem Erwerb des Kellerareals in Budafok machte sich die Familie Sauska an die Generalsanierung und den Umbau in eine technisch zeitgemäß ausgestattete Schaumweinproduktion samt Lagerräumen, sowie an die ansprechende Gestaltung der Kellerei. Sichtbar wird dies etwa an original Vintage-Fabrikleuchten und Trennwänden aus kunstvoll geschlichteten Flaschen und großzügig dimensionierten Türen aus Holz, die einen warmen Gegenpol zum kalten Stein bilden. Aus dem zu Beton erstarrten Erbe der kommunistischen Massenwein-Ära entstand eine State-of-the-Art-Sektkellerei mit einzigartigem Ambiente, coolem Styling und künstlerischen Installationen.
Einen kleinen Teil der ehemaligen staatlichen Kellerei beließ die Familie Sauska unangetastet im Originalzustand. Gleichsam als stumme, mahnenden Zeitzeugen einer dunklen Vergangenheit stehen hier gigantische Betontanks, in denen während der zentral gelenkten Wirtschaft Riesenmengen an Wein vor allem für den Export in die Sowjetunion produziert wurden. Angelehnte Leitern, herumliegende Werkzeuge, liegen gebliebener Bauschutt: Es wirkt, als wären die Arbeiter 1989 beim Zusammenbruch des kommunistischen Regimes einfach nach Hause gegangen und hätten alles stehen und liegen gelassen.
Skurriles Detail: Während der Renovierungsarbeiten entdeckte man einen „Geheimen Raum“, der früher mutmaßlich von privilegierten Angehörigen der kommunistischen Nomenklatura regelmäßig als Partykeller benutzt worden war. In Abwandlung des berühmten Zitats in George Orwells „Farm der Tiere“: Alle Menschen sind gleich, aber einige sind gleicher.
Sauska in Budafok – Zahlen & Fakten
Kellermeister: Ádám Hanusz
Jahresproduktion: ca. 300.000 Flaschen Schaumwein
Ádám Hanusz – Kellermeister in Budafok
Sauska in Budafok – die Schaumweine
Die Trauben und Grundweine für alle Sauska-Schaumweine stammen aus der Region Tokaj im Nordosten Ungarns, vor allem aus den Weinbergen Istenhegy, Padihegy, Medve und Birsalmás. Sie bieten aufgrund ihrer kargen, mineralischen Böden gute Voraussetzungen für spritzige, knackig-frische Sparklings.
Die Weine stellen eindrucksvoll unter Beweis, dass die autochthone, in jeder Sauska-Cuvée enthaltene Sorte Furmint nicht nur für trockene Still-, sondern auch für Schaumweine großes Potenzial bietet, vor allem in Kombination mit Chardonnay und Pinot Noir.
• Sauska Extra Dry NV
Sehr preisgünstig, ideal zum Einstieg in die Schaumweine von Sauska; frisch, knackig, fruchtbetont, unprätentiös; typische vulkanische Frische und Mineralität der Sorte Furmint und des Bodens in Tokaj.
Rebsorten: Furmint, Chardonnay, Pinot Noir
Reserveweine: 30 %
Dosage: 13 g/l
Reifezeit: mindestens 12 Monate
• Sauska Brut Non-Vintage
60 % der Sparkling-Produktion von Sauska entfallen auf diesen Wein, von welchem 150.000 Flaschen jährlich produziert werden: sehr typischer, preiswerter Tokaj-Schaumwein mit Easy Drinking-Charakter; frisch, kühl, knackige Zitrusfrucht, komplex, lang, geschmeidig, temperamentvoll; elegante, feine, weiche Mousse.
Rebsorten: Furmint, Chardonnay, Pinot Noir
Reserveweine: 30 %
Dosage: 6 gr/l
Reifezeit: mindestens 30 Monate
• Blanc de Blancs NV
Aromen von dunkelgelben Äpfeln und Williamsbirnen, kreidige Mineralität, leicht salziger Abgang – dank der vulkanischen Tokajer Böden; erfrischend, cremig, Noten von Brioche, Zitronen, Fenchelsamen; langer Abgang mit erfrischender, kristallklarer Säure.
Rebsorten: Furmint, Chardonnay
Dosage: 4 g/l
Reifezeit: mindestens 48 Monate
• Sauska Brut Nature NV
Viel Mineralität und straffe Textur! Aromen von nassem Stein, Minze, Zitrone, Quitte, Birne; am Gaumen elektrisierend und saftig, wunderbar abgerundet von zarten Hefearomen, sehr langer Abgang mit Zitronenschale und Brioche.
Rebsorten: Furmint, Chardonnay, Pinot Noir
Reserveweine: 25 %
Dosage: 0 g/l
Reifezeit: mindestens 36 Monate
• Furmint Brut mit Jahrgang
Der wohl kantigste und „ungarischste“ Sparkling von Sauska, wird nur in guten, kühlen Jahren produziert, frühe Ernte, Trauben auch von Nordhängen, nur 3.000 Flaschen.
Lebhaft, vulkanisch frisch und mineralisch; Aromen von Orangenschale, Quitte, reifer Birne; herrlich cremige Textur mit Pfirsich und Sahne; in guter Balance mit der lang anhaltenden Säure.
Rebsorte: 100 % Furmint
Dosage: 5 g/l
Reifezeit: 66 Monate (!)
• Sauska Brut Rosé NV
Der dominierende Furmint wird von Pinot Noir und Chardonnay ergänzt. Aromen von roten Früchten, knackig, frisch, spritzig, weiche Textur, langer Abgang.
Rebsorten: Furmint, Pinot Noir, Chardonnay
Reserveweine: 10 %
Dosage: 6 g/l
Reifezeit: mindestens 30 Monate