La Mamma di Amarone

Marinella Camerani hat Corte Sant‘Alda zu einem der besten Valpolicella-Weingüter gemacht 

Noch bevor wir über Wein zu reden beginnen, zeigt uns Marinella Camerani auf ihrem Smart Phone Bilder eines alten Fischerbootes, mit dem sie an freien Wochenenden und im Urlaub gerne vor der Adriaküste herumschippert: Der Kahn ist ihr Hobby – und offenbar ihre große Leidenschaft. 

Das Boot ist aber nur eine der vielen liebenswürdigen Marotten dieser beeindruckenden Winzerin, die in Mezzane di Sotto, wenige Kilometer nördlich von Verona, einige der interessantesten und anspruchsvollsten Weine der Region Valpolicella produziert. 

Ebenso untypisch für die Weinbranche wie Marinellas Persönlichkeit ist ihr Weg zum Wein: Ihr Vater besaß eine gut gehende Fabrik für Autobatterien, die Tochter arbeitete in ihrer Jugend zunächst als seine Assistentin brav in der Verwaltung des Unternehmens. Bald aber war ihr klar, dass sie nicht ihr ganzes restliches (Berufs)Leben in einem Büro verbringen wollte. 1986 fasste sie den mutigen Entschluss, Winzerin zu werden. Mutig auch deshalb, weil sie damit die erste in ihrer Familie war. 

Schon damals war da dieses wunderbare, bescheidene Gutshaus in den von sanften Winden im Sommer gekühlten Hügeln bei Mezzane di Sotto, das Marinellas Vater vor langer Zeit gekauft hatte, und wo die Familie die Wochenenden und den Sommer verbrachte. Zum Ferienhaus gehörten auch etwa fünf Hektar Weingärten, deren Trauben der Fabriksbesitzer, der zwar ein Kulturmensch war, gutes Essen schätzte und gerne Wein trank, aber selbst keinen produzieren wollte, an die lokale Genossenschaft verkaufte. 

„Ich wollte alles wissen, ich fragte alle.“ 

Unbelastet von Wissen und Erfahrung ging Marinella mit der Unerschockenheit und Unbefangenheit einer Anfängerin vor 26 Jahren erstmals daran, aus den Trauben, die vor der Haustür wuchsen, selbst Wein zu machen. Sie funktionierte das Ferienhaus der Familie zum Weingut Corte Sant’Alda um, benannt nach ihrer damals eben geborenen ersten Tochter Alda, die heute in Mailand arbeitet. Es sollten noch zwei weitere Töchter, Federica und Bianca, folgen. 

„Und so habe ich eben einige Jahre Wein produziert“, sagt Marinella lakonisch. Instinktiv aber erkannte die nach höherer Qualität strebende Autodidaktin bald, dass sie eigentlich viel zu wenig über ihre Rebberge wusste und deren Potenzial noch nicht einmal annähernd ausgeschöpft hatte. Also ging sie daran, die einzelnen Lagen, deren Böden und Mikroklimata systematisch und wissenschaftlich zu studieren. 

Sie wollte die Stärken und Schwächen jedes Weingartens genau kennenlernen, ließ zu diesem Zweck von Geologen Bodenprofile erstellen, genaue Terroir- und Lagenkarten anfertigen, fragte erfahrene Winzer und Freunde, suchte Rat bei Agronomen und Önologen: „Ich war neugierig, ich wollte einfach alles wissen, ich fragte alle“, erzählt Marinella in ihrem schwer akzentuierten, umwerfend hinreißenden Italo-Englisch.

Fortsetzung im Newsletter Nr. 20, September 2012

 

 

Azienda Agricola Corte Sant’Alda

www.cortesantalda.com