Tenuta di Capezzana

Ein Schiff folgt seinem Kurs. Die Tenuta di Capezzana bemüht sich seit Jahren verstärkt um die Qualitätssteigerung und Verfeinerung ihrer Weine. So erhöhte man etwa die Pflanzdichte der Rebstöcke. „Darüber hinaus sind wir dabei, einen Klon der besten Trebbiano- und Sangiovese-Reben zu entwickeln. Und vor einigen Jahren haben wir 10 bis 15% Syrah in die Cuvée des Ghiaie della Furba aufgenommen“, so Filippo Contini Bonacossi, der Agronom des renommierten Weingutes, dessen Familie das toskanische Weingut seit Jahr hunderten gehört.

Auch im Keller war man sehr innovativ: Automatische Bottiche für die „Délestage“ wurden angeschafft, eine relativ junge, aus Frankreich stammende Methode der Rotweinvergärung. Dabei wird mit Hilfe von zwei gekoppelten Bottichen ein langer und intensiver Kontakt zwischen Maische (Traubenschalen) und Saft gewährleistet. Ziel: Weine mit mehr Frucht, weichen Tanninen, stabiler Farbe, höherer Qualität und Alterungspotenzial.

Die für den Keller zuständige Benedetta Contini Bonacossi schildert uns weitere Neuerungen der letzten Zeit: „Unsere klassischen Carmignano-Weine Trefiano und Villa di Capezzana sowie der Ghiaie della Furba durchlaufen die malolaktische Gärung nun in Barriques. Dies führt zu einer intensiveren Farbe, mehr Harmonie und Eleganz. Der Stil ist noch besser geworden.“

Wo liegt die Zukunft für das Weingut? Die Familie Bonacossi meint, die Typizität der kleinen DOCG-Region Carmignano in den Wein zu bringen, sei das wichtigste Ziel. Regionale Besonderheiten in den Vordergrund zu stellen, sei auch das beste Mittel gegen Globalisierung und Einheitsgeschmack.

Beatrice Contini Bonacossi ist für das Marketing verantwortlich: „Die Weine von Capezzana haben zur Verbreitung der Weinkultur beigetragen, doch vor allem repräsentieren sie den höchsten Ausdruck der Leidenschaft, die seit über 1.200 Jahren hier zuhause ist. Unsere Philosophie ist immer gleich geblieben: Treue zur Tradition, einer Tradition in Entwicklung, vergleichbar mit einem Schiff, das seinem Kurs folgt und ständig in Bewegung ist, aber dennoch dasselbe Schiff bleibt.“

 

Große Weine

Baron Eric de Rothschild aus Pauillac, ein enger Freund der Familie Bonacossi, schrieb ins Gästebuch auf deren Schloß Capezzana: „Jamais trop jeune, jamais trop vieux“. Niemals zu jung, niemals zu alt: so beschrieb er die Qualitäten der Weine des Gutes sehr präzise. Der „Ghiaie della Furba“, der beste Wein Capezzanas – spätestens mit dem Jahrgang 1998 wieder einer der größten Weine Italiens – hat mit Baron Erics Weingut Lafite-Rothschild mehr zu tun, als der anfangs wußte: die ersten Cabernet-Sauvignon-Klone haben die Besitzer einst bei einem Besuch in Pauillac „mitgehen“ lassen. Der Wein mit dem Namen „Vin Ruspo": gestohlener Wein, ist allerdings keine Anspielung darauf, sondern erinnert an die Zeiten, da die Landarbeiter eine gewisse Menge Trauben am Ende jeden Tages mitnehmen durften. Manch einer sagt sich dann, dass es ruhig ein wenig mehr sein durfte … Der Ruspo ist ein feiner Rosato, von dem es immer weniger Flaschen gibt.

Der „Ghiaie della Furba“ ist eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und seit dem Jahrgang 1998, Syrah. Der zehnprozentige Syrah-Anteil tut dem Wein sehr gut, verleiht ihm zusätzliche Struktur und opulente, pfeffrige Aromen. Ein maskuliner Tropfen von großer Finesse. Der Syrah würde auch allein eine herausragende Figur machen, aber die Produktion ist zu gering, als dass es sich lohnen würde, ihn getrennt zu vermarkten. Von den 30 000 Flaschen dieses Super-Ghiaie allein könnte ein so großes Weingut nicht leben. Für die alten Capezzana-Fans ist die Nachricht eine Erleichterung, dass zu alter Klasse zurückgefunden wurde. „Barco Reale“, die gesunde Basisqualität, eine Cuvée auf der Basis von Sangiovese mit etwas Cabernet und Cannaiolo, ist dabei besonders wichtig: Der ideale Wein für die Gastronomie, der jedem schmeckt und von fast jedem bezahlt werden kann. Villa di Capezzana heißt traditionell der Carmignano, der örtliche DOC-Wein. Mit dem Jahrgang 1997 ist auch er wieder das zuverlässige Mitglied im Capezzana-Team geworden: feine Aromen von Cassis, Pflaumen und Vanille, gute Struktur und Länge, nicht zuviel Säure. Er wird in Zukunft noch besser werden, weil das Weingut darauf verzichtet, eine Carmignano-Riserva anzubieten: die entsprechenden Partien werden dazu verwendet, dem „normalen“ Carmignana noch mehr Pep zu verleihen.

„Trefiano“, eine Einzellage im Besitz von Bonacossi-Sohn Vittorio, der zum Glück für das Gut von einer Weltumsegelung zurückgekehrt ist, war bisher eine separat vinifizierte Carmignano-Reserva mit eigenem Charakter: in ihrer Dichte und Weichheit wirkte sie fast wie ein Wein aus der Neuen Welt. Vittorio hat seinen 4 Hektar großen Weinberg vor allem mit Prugnolo Gentile, dem Sangiovese-Klon aus Montepulciano, bepflanzt. In Zukunft wird Trefiano zu einem Öko-Label von Capezzana ausgebaut werden.

Auch alte Jahrgänge wie der „Villa Capezzana“ von 1985 zeigen sich in beneidenswerter Form. Es war kein guter Jahrgang – was man dem Wein nicht anmerkt. Eric de Rothschild hatte schon Recht: niemals wirken die Weine zu jung und niemals zu alt.

Capezzana

Carmignano – Toskana – Italien
www.capezzana.it