Die Cantine und ihr Präsident

Die 1989 gegründete Genossenschaftskellerei Due Palme in Cellino San Marco im apulischen Salento beweist, dass Qualität und Menge kein Widerspruch sind. Sie ist eine der größten, innovativsten und erfolgreichsten Cooperativen Süditaliens: rund 1.000 Winzer, 2.200 Hektar, 6 Millionen Flaschen Jahresproduktion, 90% (!) Exportquote von den USA bis Japan, modernste Kellerei- und Labortechnik, perfektes Weingartenmanagement.

Due Palme ist das Werk ihres Gründers und Präsidenten Angelo Maci, 4. Generation einer Winzerfamilie, rastloser Pionier in Bezug auf Qualität und Technologie. Er war es, der apulische Weine auf die internationalen Weinkarten gebracht hat. Maci bemüht sich besonders um seltene lokale Rebsorten wie die Susumaniello sowie um die Erhaltung des traditionellen „Alberello Pugliese” (die Rebstöcke werden in Einzelbuschform gezogen, ohne Stützpfähle oder Drahtrahmen).

„Wir sind sehr harte Arbeit gewohnt.“

Ein Gespräch mit Angelo Maci, dem Präsidenten der Cantine Due Palme in Apulien

Was macht die Weine aus Apulien so einzigartig?
Die Lage zwischen dem ionischen und dem adriatischen Meer, vor allem aber auch die Sonne und dieses unverwechselbare Licht! Wo sonst können Winzer während der Wachstums- und Reifephase der Trauben von Mai bis Ende August mit einer durchschnittlichen Sonnenscheindauer von bis zu 15 Stunden täglich rechnen? Einzigartig ist außerdem die Vielzahl an Böden, von sandig und kalkreich bis hin zu steinig und kompakt. Dann die Alberello-Kultur sowie die geringen Erträge von maximal 10.000 kg pro Hektar gegenüber 15.000 bis 16.000 im italienischen Durchschnitt. Und vor allem die Vielfalt unserer heimischen Rebsorten, wie Negroamaro, Primitivo und Susumaniello, die nur hier bei uns die idealen Bedingungen für die Reife der Farb- und Gerbstoffe und der Aromen finden.

Hinzu kommt, dass Rotweine aus Apulien im Unterschied zu Weinen aus anderen italienischen Regionen in horizontalen Rotationstanks bei Überdruck vergoren werden. Durch diese Art der Vinifizierung kann man besonders aromatische und farbintensive Rotweine mit perfekter Struktur erzeugen.

500 Ihrer rund 2.200 Hektar großen Rebfläche werden in Alberello-Kultur bewirtschaftet. Wie wichtig ist diese für Ihre Region?
Winzer aus Brindisi und Lecce praktizieren schon seit den Anfängen des Weinbaus in Apulien – seit gut zwei Jahrtausenden – das Alberello-System, die älteste Form der Reberziehung. Erst in den letzten 40 Jahren wurde die moderne Spalier-Erziehung für die maschinelle Lese genutzt. Als Önologe habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Alberello-Erziehung optimal ausgereifte Trauben hervorbringt und folglich auch Weine von herausragender Qualität. Denn bei der Alberello-Erziehung wird die Rebe wie eine nach oben offene Vase gebunden, sodass die Beeren das Sonnenlicht vollständig aufnehmen können. Bei der Spalier-Erziehung dagegen werden die Triebe hochgebunden und aufgereiht, wodurch an einigen Stunden des Tages eine Reihe der Triebe im Schatten der anderen liegt. Licht ist eben die allerwichtigste Voraussetzung für eine perfekte Ausreifung der Trauben.

Genossenschaftskellereien haben meist das Image, große Mengen Wein mit bestenfalls mittlerer Qualität zu produzieren. Wie schafft es die Cantine Due Palme, große Mengen und hohe Qualität zu vereinbaren?
Unser Geheimnis ist, dass wir alle unsere Genossenschafter laufend mit Rat und Tat unterstützen. So halten wir in der Hauptwachstumsphase der Pflanzen, von Mai bis August, regelmäßig Konferenzen ab, wobei unser Agronom die Genossenschafter insbesondere bei der integrierten und nachhaltigen Bewirtschaftung der Weinberge berät.

Außerdem sind wir auf dem neuesten Stand der Technik: fünf Anlieferungsstationen garantieren eine optimale Selektion der Trauben, und moderne Gärtanks extrahieren aus den dunklen Beerenhäuten das Maximum an Aromen und Farbstoffen. Nach der Lese beurteilen zwei externe Agronomen die Qualität der Trauben aufgrund ihres Gesundheitszustands und ihrer Reife und leiten die nach Güteklassen sortierten Beeren dann zu den entsprechenden
Anlieferungsstationen weiter.

Wie wirkt sich der „Klimawandel“ auf die Weine Apuliens aus?
Der Temperaturanstieg hat für uns sowohl positive als auch negative Folgen: Dass die früher knospenden Reben in der zweiten Februarhälfte nächtlichen Frösten ausgesetzt sein könnten, ist sicher ein Nachteil. Dass eine frühere phenolische Reife und eine folglich auch frühere Lese die Trauben vor Schimmel und Fäulnis durch Feuchtigkeit und nächtlichen Frost im Herbst bewahrt, ist vorteilhaft.

Sie haben rund 1.000 Genossenschafter. Was tun Sie, um diese zu hoher Traubenqualität zu motivieren?
Unsere Mitglieder sind dank des finanziellen Erfolges von Due Palme sehr motiviert, immer bessere Qualitäten zu erzeugen. Es kommt zu mehreren Gewinnausschüttungen, je nach durchschnittlicher Menge pro Hektar, und vor allem je nach Qualität der Trauben. Ist doch klar, dass, wer bessere Trauben erzeugt, auch besser entlohnt wird! Wir erleben daher jedes Jahr unter den Genossenschaftern einen regelrechten Wettbewerb um die beste Qualität.

Welche Kriterien muss man erfüllen, um bei Cantine Due Palme Genossenschafter werden zu können?
Wir fördern junge Unternehmer und solche, die einheimische Rebsorten anbauen, die seit jeher in unserer Region kultiviert werden. Darüber hinaus muss sich ein Genossenschafter an die ethischen Richtlinien unseres Unternehmens halten.

Die Genossenschafter von Due Palme verdienen mehr als bei anderen Genossenschaften. Wie machen Sie das?
Wir zahlen unseren Mitgliedern doppelt so viel wie andere Genossenschaften in Apulien. Das können wir nur dank der gut sechs Millionen Flaschen, die wir jährlich verkaufen, insbesondere im Ausland. Die anderen Genossenschaften tendieren eher dazu, Fasswein abzusetzen, mit dem man allerdings immer weniger Gewinn erzielen kann.

Der Selvarossa Riserva wurde im Gambero Rosso zum vierten Mal hintereinander mit drei Gläsern ausgezeichnet. Wie kann dieser Wein so preiswert sein?
Wir verkaufen unseren Premiumwein zu einem günstigen Preis, weil wir allen Weinliebhabern einen hochqualitativen Wein bieten wollen. Sie kaufen am Anfang ein, zwei Flaschen, um ihn zu kosten, lernen ihn schätzen und kaufen dann mehrere Flaschen. Wir sind eine Kooperative, deren gesamter Gewinn unter allen Mitgliedern aufgeteilt wird. Je mehr wir verkaufen, je weniger Flaschen in unseren Lagern verbleiben, umso besser können wir unsere Genossenschafter entlohnen.

Wo sehen Sie den Platz von Due Palme in der italienischen Weinwelt?
Für unsere Konkurrenten sindwir mit Abstand die größte und bedeutendste Genossenschaft in Apulien und sogar in ganz Süditalien. Wir selbst sehen uns als einfache Winzer, die mit großem Engagement ihrer täglichen Arbeit nachgehen und damit verbunden als Vermittler unserer kulturellen Werte. Dabei achten wir besonders auf die Sicherung und Verbesserung der Qualität in allen Bereichen der Produktion.

Wo wird der apulische Wein in 20 Jahren stehen?
Er wird immer einen wichtigen Platz auf dem Weltmarkt einnehmen, weil wir Süditaliener sehr harte Arbeit gewohnt sind. Die Liebe und Leidenschaft, mit der wir unsere Weinberge hegen und pflegen, hat uns Mutter Natur in die Wiege gelegt.

90% Ihrer Produktion gehen in den Export, aber wie hat sich das Image der apulischen Weine in Italien selbst verändert?
In den letzten zehn Jahren haben die Weine aus Apulien, allen voran Weine aus den Rebsorten Negroamaro und Primitivo, einen Riesensprung nach vorn gemacht. Negroamaro-Weine stehen im italienischen Lebensmitteleinzelhandel sowie im Hotel- und Gastronomiegewerbe an der Spitze der meistverkauften Weine. Dank neuer Kellereitechniken und eines raffinierten Marketings vieler auf Qualität bedachter Kellereien Apuliens sind unsere Weine schon lange nicht mehr als „Verschnittweine“ bekannt, sondern als hochwertige Flaschenweine.

Due Palme

Cellino San Marco – Apulien – Italien
www.cantineduepalme.it