Burg Ravensburg: Eine über 750 Jahre lebendige Geschichte des Weinbaus

Majestätisch thront Burg Ravensburg hoch über dem Kraichgau. Seit mehr als 750 Jahren wird hier Wein angebaut. 1251 werden die Weinberge der damaligen Eigentümer, die Freiherren Göler von Ravensburg, erstmals urkundlich erwähnt. Damit ist das für seine historischen Einzellagen bekannte Weingut eines der ältesten weltweit. Sie liegen an den südwestlichen bis südöstlichen Hängen und tragen markante historische Namen wie Riesling Husarenkappe oder Kapellenberg. Die Burgunder sind als Löchle und der Blaufränkisch als Dicker Franz bekannt; alles Weinberge der Spitzenklasse und als „VDP Grosse Lage“ klassifiziert. Bis 2008 wurde Burg Ravensburg noch von der Erbengemeinschaft der Freiherren verwaltet. Claus Burmeister kennt die Weinberge wie aus der Westentasche, 1990 bereitete er hier als junger Winzer seinen ersten Jahrgang und übernahm 1995 nach der Ausbildung an der Weinbauschule Heilbronn, die gesamte Verantwortung für das Weingut. Die behielt er auch bei, als Heinz Heiler es damals von Göler von Ravensburg übernahm. Auch hier, in der Gemarkung Sulzfeld, waren die Zisterziensermönche mit ihrem guten Gespür für exzellente Lagen wegweisend. Ein in der Trias entstandener 220 Millionen alter Gipskeuperboden und ein ungewöhnliches Mikroklima bieten ideale Voraussetzungen für den Weinbau.

Dicker Franz, Husarenkappe, Löchle
Steil windet sich der Weg hoch zum Eichelberger Kapellenberg und eröffnet ein wunderschönes Panorama auf die Heitlinger und Burg Ravensburger Lagen. Der Kapellenberg, mit knapp über 300 Metern der höchste Weinberg des Weinguts zählt bei einer Steigung von über 50 % zu einer der steilsten Lagen. Oberhalb der Gemeinde Eichelberg gelegen, wird er von der namensgebenden Michaelskapelle gekrönt. Die Besonderheit des Bodens? Stubensand- und Vulkangestein, das nur dort vorkommt und ideal für den Kappellenberg Riesling ist. Die Ausblicke konkurrieren hier allesamt miteinander, einer der schönsten bietet sich allerdings vom Burgberg. Wie auf einer Landkarte breiten sich die drei Einzellagen den Berg hinab zu allen Seiten aus. Die bestockten Parzellen scheinen die steilen Hänge geradezu hinunterzufließen und in einer Senke, in der sich Laubwald und Streuobstwiesen abwechseln, zu münden. Die unterschiedlichen Höhen und Ausrichtungen lassen auf wenigen Metern verschiedene Kleinklimazonen entstehen. Auf dem kalkhaltigen Keuper bauen sich die verschiedenen Böden auf. Relativ schnell stoßen die Reben hier auf den nackten Fels. Die Lage Dicker Franz verdankt ihren Namen Freiherr Franz Göler von Ravensburg (1701 - 1765), der den kulinarischen Genüssen sehr zugeneigt war und in die Familienanalen als der „Dicke Herr“ einging. Nicht nur der ehemalige Schlossbau am Bergfried der Ravensburg, sondern auch sein Lieblingsweinberg wurde nach ihm benannt. Der Name steht heute für kraftvolle Lemberger – auch Blaufränkisch genannt, der hier bereits nach dem Dreißigjährigen Krieg angepflanzt wurde. Auf dem Gipskeuperboden wächst er besonders gut und zeigt sich im Glas kräftig und würzig. Der Name der Lage Husarenkappe geht auf Freiherr Benjamin Göler von Ravensburg, Major im Badischen Husarenregiment (1782 - 1834), zurück. Die Legende besagt, er habe von seinem obersten Befehlshaber, Markgraf Karl-Friedrich von Baden, Riesling-Setzlinge bekommen, die er in seiner Kappe nach Sulzfeld gebracht hat, um sie am Burgberg zu pflanzen und damit die Rieslinglage Husarenkappe zu begründen. Sie gilt damit als eine der ältesten in Baden. Die Husarenkappe ist deutlich kühler, als die Lage Löchle, die im südlich exponierten Teil des Burgberges liegt. Die Weinberge sind teils terrassiert, teils weisen sie eine Steigung von bis zu 40% auf. Die Besonderheit der Lage, der sie auch ihren Namen verdankt, ist ein natürlicher kesselförmiger Geländeeinschnitt, der wie ein Amphitheater geformt ist.

Diese Vertiefung bewirkt, dass die beiden Hügelflanken die Rebzeilen vor kühlen Winden schützen und sich dort ein besonders warmes und gerade für die anspruchsvollen Burgundersorten optimales Mikroklima entfalten kann. Das Bodenprofil aus blauem Mergel, Gips und Tongestein ist außerordentlich vielschichtig. Ganz nach Burgunderart wird ein Großteil der Lage wie ein „Clos“ von einer alten Sandsteinmauer umrahmt. Ein „Filetstück“ liegt hier noch brach und wird 2018 mit Pinot Noir bepflanzt. Am Rande des Burgbergs liegen die Parzellen des als Erste Lage klassifizierten Lerchenberg, der mit über 25 Jahre alten Reben bestockt ist. Gipskeuper und Lössmischungen im Boden ergeben hier Weine – Riesling und Blaufränkisch – mit einem markanten Ausdruck. Besonders faszinierend an all diesen Lagen ist, dass sie auf so kurzer Distanz so unterschiedliche Weincharaktere hervorbringen, was gerade bei einem Vergleich der Rieslinge Kappellenberg und Husarenkappe besonders deutlich wird: Während der Riesling Kappellenberg von einer saftigen Fruchtigkeit, feinen Säure und Mineralik geprägt ist, fällt der Riesling Husarenkappe kraftvoller und etwas üppiger aus. Beiden gemeinsam ist, dass sie unverwechselbar sind und zu den Top-Rieslingen Badens zählen.

Die Weine von Burg Ravensburg
Seit 2015 werden die Weinberge im Weingut Burg Ravensburg biodynamisch bewirtschaftet und daher alle Arbeiten in Weinberg und Keller – wie auch bei Heitlinger – konsequent nach dem Mondphasenkalender von Maria Thun ausgerichtet. So beschreibt der Kalender die jeweilige Planetenkonstellation für jeden Tag des Jahres und rät je nach Befund beispielsweise zur Abfüllung des Weins oder nicht. Die Bewirtschaftung der Weinberge, Ernte, Vinifizierung und Ausbau im Keller verlaufen im Wesentlichen wie bei den Weinen von Heitlinger (siehe oben). Bei den weißen Grossen Gewächsen werden die streng selektierten Trauben nach einer Saftschalenkontaktzeit von mehreren Tagen langsam gepresst und 6 bis 8 Monate im Barrique vergoren und gereift. Beim Dicker Franz Blaufränkisch erfolgt der biologische Säureabbau im Barrique; hier reifen die Weine 10 bis 15 Monate. Beim Löchle Pinot Noir werden nur ganze Beeren und ganze Trauben In kleinen Gebinden in Holz-Cuves vergoren. Ziel ist es, fruchtintensive, komplexe, persistente Spätburgunder mit feiner Tanninstruktur zu gewinnen. Der biologische Säureabbau erfolgt im Barrique, hier reifen die Weine 8 bis 12 Monate. Verkostet man die Weine von Burg Ravensburg und Heitlinger nebeneinander, treten die unter-schiedlichen Wesensmerkmale deutlich hervor: Die Weine von Burg Ravensburg sind von einer klar definierten, zugänglichen Struktur und einer großen inneren Dichte geprägt sowie von einer kraftvollen, würzigen Art; intensive Frucht und animierende Säure zeigen sich gut ausbalanciert. Während die Weine von Heitlinger Eleganz und Frische mit einer fein unterlegten Mineralik in sich vereinen; sie sind geschliffen in der Säure, straff, saftig und ausgesprochen trinkanimierend.

Um diese besondere Stilistik der Weine noch zu steigern, wird an einer letzten Stellschraube gedreht: der Reberziehung.

„Wir haben in Baden vergleichbare klimatische Bedingungen wie im Burgund und vergleichbare Böden, mittlerweile haben wir sogar dieselben Pinot Noir-Klone,“ erklärt uns Claus Burmeister. „Durch die niedrigeren Drahtrahmen und die höhere Pflanzdichte bekommen wir nun ein einmaliges Spiel zwischen Frucht und Struktur.“

Weingut Burg Ravensburg

www.weingut-burg-ravensburg.de