Warme Kieselsteine am Duero

Ribera del Duero: O. Fournier verbindet spanische Tradition und modernen Weinbau

Man muss Pfadfinder sein, um die Finca El Pinar zu entdecken, liegt sie doch hinter Pinien, Pappeln und Eichen gut versteckt am Duero, einige Kilometer abseits der Hauptstraße. Mit conquistadoren-gleicher Energie, Willenskraft und Unerschrockenheit hat hier der spanische Ex-Banker José Manuel Ortega Gil-Fournier in den letzten Jahren das Weingut O. Fournier aufgebaut. Es gehört mittlerweile zu den führenden Produzenten in der Region Ribera del Duero und hat das Kunststück geschafft, sich binnen kurzer Zeit neben „alten Platzhirschen“ wie Vega Sicilia und Pingus zu etablieren.

Ortega, der nahezu zeitgleich auch in Argentinien und Chile ähnlich ambitionierte Kellereien errichtete, ist einer jener „jungen Wilden“, die dem spanischen Weinbau in den letzten Jahren zu großen Qualitätssprüngen verhalfen. Die Grande Dame der Weinpublizistik, Jancis Robinson, bezeichnete Ortega einmal gar als den „am härtesten arbeitenden Weinproduzenten der Welt“. Die Produktion überlässt das Mastermind aber vertrauensvoll seinem Chef-Önologen José Spisso, der zwischen Spanien und Südamerika pendelt. Vor Ort am Duero ist die junge Önologin Laura Terrazas für die Weine verantwortlich.

Alte Reben. Gebäude und Weingärten wurden 2002 vom damaligen Besitzer übernommen, der Keller auf den neuesten Stand gebracht, ein Analyselabor eingerichtet. Größtes Kapital Weinstöcke, die rund die Hälfte von O. Fournier aber sind jene 20 bis 60 Jahre alten, höchst charaktervolle Trauben hervorbringenden der insgesamt 60 Hektar Weingärten bedecken. Unumschränkte Herrscherin ist die Tempranillo-Traube, die hier in der Region Tinta del País heißt und traditionell in Form einzelner Bäumchen – „Vaso“ (span. = Trinkglas) – erzogen wird. Obwohl er in den letzten Jahren neue Weingärten auch im Drahtrahmensystem auspflanzte, billigt José Spisso dem alten Vaso- System größeres Qualitätspotenzial zu.

Der karge, sandig-lehmige Boden hier am Duero lässt für Qualitätsweinbau nur 1.800 bis 2.200 Stöcke pro Hektar zu, auf wasserarmen Parzellen gar nur halb so viele. „Auch unsere starke Ertragsbeschränkung auf sechs bis acht Trauben pro Pflanze dient der Qualitätssteigerung“, sagt Laura Terrazas.

Großteils ist der Boden in den Weingärten mit Kieselsteinen bedeckt, die der Duero im Lauf der Jahrtausende herangetragen hatte. Sie speichern die Wärme des Tages für die Nacht. José Spisso: „Das ist wichtig für die physiologische Ausreifung der Trauben, ohne die wiederum Spitzenqualität nicht möglich wäre.“

Qualitätsmosaik. Weitere Steine im Qualitätsmosaik von O. Fournier: händische Selektion der Trauben am Rütteltisch, langsam und schonend arbeitende Spezialpumpen, Nutzung der Schwerkraft zur behutsamen Behandlung von Trauben, Most und Wein, Vergärung der besseren Traubenpartien in Holzgärständern mit vollautomatischer Temperaturkontrolle und täglich zweimaligem Untertauchen des Maischekuchens. Chef-Önologe Spisso: „Dadurch werden die Tannine eleganter und weicher. Und die aus den Schalen stammende Farbe wird im Wein besser fixiert.“ Zur Reifung schließlich gehen alle Weine – abhängig von ihrer Güteklasse unterschiedlich lange – ins Barrique.

Während das Maß aller Wein-Dinge in Ribera del Duero – Vega Sicilia – einen sehr klassischen, traditionellen Stil pflegt, ist O. Fournier der perfekte Ausdruck des modernen Weinbaus der Region: sehr präsente Frucht, runde Tannine, jung, einfacher zu trinken, dabei ausdrucksstark, direkt, konzentriert, offen und klar. Es sind hervorragende Weine, die man zum Glück nicht so lange suchen muss wie die Finca am Duero, von der sie kommen.

 

Im Anblick der Anden

O. Fourniers Weine aus Südamerika

Mit Energie, Willenskraft, Unerschrockenheit und einigem Kapital hat der Spanier José Manuel Ortega Gil-Fournier, früher Investmentbanker, in den letzten Jahren gleich in drei verschiedenen Ländern beeindruckende Weingüter aufgebaut: in Spanien, Argentinien und Chile.

Sein ehrgeiziges Ziel: in der jeweiligen Region zu den besten zu gehören. Die Grande Dame der Weinpublizistik, Jancis Robinson, bezeichnete Ortega einmal als den „am härtesten arbeitenden Weinproduzenten der Welt“.

Die Produktion selbst überlässt das Mastermind Ortega vertrauensvoll seinem Chef-Önologen José Spisso, der zwischen Spanien und Südamerika pendelt.

Malbec aus Argentinien

In der argentinischen Provinz Mendoza hat Ortega am Fuß der Anden eine spektakuläre, UFO-ähnliche Boutique-Winery gebaut und in 1.200 m Höhe liegende, erstklassige Weingärten erworben: rund 100 Hektar, verteilt auf drei Fincas.

Die teils neu gepflanzten, teils bereits 30 Jahre alten Weinstöcke werden, zum Schutz der Trauben vor der Sonne, im traditionellen spanischen „Vaso“-System gezogen, also einzeln und buschförmig, ohne Drahtrahmen oder Pflöcke.

Neben anderen Sorten wie Tempranillo findet die typisch argentinische Rebsorte Malbec im Uco-Tal hervorragende Bedingungen: steinige, sandige Böden mit wenig Humus bringen hochqualitative Trauben hervor. Bei Bedarf wird mit Wasser aus den nahen Anden künstlich bewässert. O. Fournier beschränkt die Ernte auf 1 bis 1,5 kg pro Rebstock. Die fruchtbetonten, sehr zugänglichen Weine werden je nach Qualitätsklasse unterschiedlich lange in Barriques gereift.

Cabernet aus Chile

Auch im Nachbarland Chile ist die O. Fournier-Gruppe aktiv, wo Ortega hervorragende Weinlagen mit bis zu 120 Jahre (!) alten Weinstöcken erworben bzw. gepachtet hat, etwa im Vale de Maule.

Die Lage auf 400 m Höhe, für Chile einzigartige, karge Böden und Temperaturen zwischen 10° und max. 30°C begünstigen hier Weine mit kräftiger Farbe, Eleganz, schöner Säure und guter Struktur, wie etwa den – sehr preisgünstigen – Cabernet Sauvignon.

Bodegas y Viñedos O. Fournier

Ribera del Duero – Spanien
Leyda – Chile
Mendoza – Argentinien
http://www.ofournier.com