Das war ein Schuss!

Ein Schweizer Käsemeister wird Winzer und führt das Weingut Hans Lang in die Zukunft.
Selbst wenn man die Hausnummer des Weingutes in der Hattenheimer Rheinallee nicht wüsste, fände man es dennoch mühelos: Hoch an einem Flaggenmast vor dem Haus weht stolz und unübersehbar die Schweizer Fahne. Der knallrote hölzerne Türgriff ist mit einem kleinen weißen Kreuz geschmückt, einer der Top-Rieslinge des Weinguts heißt „Tell“, und nach den ersten Worten ist der letzte Zweifel beseitigt: Urban Kaufmann ist Schweizer. Als Winzer ist er beruflicher Quereinsteiger, und damit ist er im Rheingau in zweifacher Hinsicht ein Exote.

Vom Appenzeller Käse zum Rheingauer Wein
Bevor er 2013 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Eva Raps das Traditionsweingut Hans Lang in Hattenheim übernahm, hatte sich Kaufmann seit seinem 16. Lebensjahr dem Appenzeller Käse verschrieben. Er führte viele Jahre lang mit Erfolg eine große Käserei, wollte aber in seinem Leben noch etwas Anderes tun als Käse zu erzeugen. Er wollte sein Hobby, den Wein, zu seinem neuen Beruf machen. So tauschte er Appenzeller Kühe gegen Rheingauer Rebstöcke, Milch gegen Trauben, Käse gegen Wein.

Getreu seinem Motto „Prüfe alles, aber mache nicht alles!“ ging Kaufmann 2012 ans Werk – und machte sich auf die Suche nach Weingütern, die zum Verkauf standen. Er reiste u. a. ins Piemont, nach Österreich und an die Mosel. Fündig wurde er schließlich im Rheingau.

„Schuld“ daran war auch Kaufmanns heutige Lebensgefährtin Eva Raps, damals Geschäftsführerin des VDP, die ihrerseits schon lange davon träumte, vom Schreibtisch in den Rebgarten zu wechseln und Winzerin zu werden. Die beiden lernten sich kennen, Berufliches und Privates kamen zusammen: Sie suchten dann gemeinsam nach einem Betrieb und erwarben schließlich 2013 das Weingut Hans Lang in Hattenheim.

Die Mikrobiologie!

Der Vorbesitzer Johann Maximilian Lang hatte das etwa 20 Hektar große Familienweingut Hans Lang jahrzehntelang geführt, galt unbestritten als Qualitätswinzer und Rotwein-Pionier im Rheingau, hatte auf biologischen Weinbau umgestellt, war seit 2012 biologisch zertifiziert, fand letztendlich aber trotz allem keine Nachfolger in der eigenen Familie. So entschloss er sich zum Verkauf. Man fand schnell zueinander: „Vom Kennenlernen bis zum Handschlag dauerte es nur drei Wochen“, so Urban Kaufmann, der 2014 seinen ersten eigenen Jahrgang vinifizierte.

Nach seinem Entschluss, von Käse auf Wein umzusatteln, hatte Kaufmann ab 2009 Praktika, etwa auf dem Schweizer Weingut Schloss Bachtobel, absolviert und war ein Jahr in Geisenheim gewesen. Nachdem die Übernahme von Hans Lang vereinbart war, lernte er vieles auch direkt von Johann Maximilian Lang auf dem Weingut.

Außerdem: „Winzerei und Käserei haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick annehmen möchte“, sagt Kaufmann mit einem Augenzwinkern. Was zum Beispiel?

„Die Mikrobiologie! Da ist ein Käsemeister jedem Winzer überlegen. Wenn etwa bei der Weinbereitung Temperaturen auf ein Grad genau gemessen werden, misst ein Maître Fromager auf ein Zehntelgrad genau.“

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